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vor 3 Monaten

Die Veranstaltungsheinis aus dem 1. Stock – eine Fabel

Eine Fabel von Tex van Buren

Da ich ja viele Freunde aus der Branche habe, aber auch einige, die nicht in der Branche sind und das auch nicht so ganz verstehen, was hier gerade so abläuft, ich versuche es mal anhand eines Beispiels zu erklären:

Also, im gesamten Wohnviertel ist ne Krankheit ausgebrochen. Im März hat es dann sogar auch unser Haus erwischt. Da kam die Hausverwaltung zu uns Veranstaltungsheinis im 1. Stock und hat uns unseren Partykeller zugesperrt. Den Schlüssel hat der Hausmeister, der ist aber irgendwie nicht auffindbar. Übrigens, macht der Partykeller verdammt viel Kohle, weil ziemlich viele Anwohner zu verdammt vielen Partys gekommen sind und dafür auch Eintritt bezahlt haben.

Dann haben die Veranstaltungsbewohner im 1. Stock auch sofort gesagt, „Ok, schade, müssen wir leider zusperren, aber Gesundheit geht nun mal vor!“

„Aber wer bezahlt uns denn jetzt, wo keine Partygänger mehr zu uns kommen können? Wir haben doch davon ganz schön viel an die Hausverwaltung gezahlt und an den Vermieter die Miete auch und so. Man muss uns doch irgendwie helfen?!“ 
Also hat die Hausverwaltung gesagt, „na gut, wenn ihr ganz freundlich beim Hausmeister nachfragt dann kümmert der sich um euch“.

Also in den 16 Immobilien in der Stadt hat zwar jeder seine eigene Regelung getroffen, aber einige davon haben dann zumindest von der Verwaltung 5 Euro bekommen. Und nen Kaugummi. Weil wir ja so lieb gefragt haben. Aber so kam es uns zumindest vor. 
Man müsse sich jetzt erst mal um die anderen Wohnparteien kümmern, weil die nämlich viel grössere Wohnungen haben und uns Veranstaltungsheinis würde das ja schon reichen, so zumindest mal bis Ende August.

Nach so einigen Wochen wurde es den Veranstaltungsheinis langweilig und weil sie so kreativ sind, dachten sie sich, na gut, bringt zwar jetzt nicht viel Kohle, aber so zum Zeitvertreib können wir ja so n paar Konzerte von der Wohnung aus machen und das dann im Internet übertragen. Ist ja mal ganz spassig so zwischendurch. Einige vom Nebenhaus kamen rüber und meinten: „Hey, so mit Autos wäre doch auch ganz cool! Wir bauen auf dem Parkplatz draussen so ne Minifestival-Bühne hin und dann können uns die Leute mit Autos besuchen. Rechnet sich zwar nicht so ganz wie n Festival aber immerhin.”

Warten, warten, warten

Aber jedes Mal wenn nachgefragt wurde, „wie schaut es denn jetzt nun aus, wo alle anderen Parteien wieder arbeiten gehen dürfen und das Haus verlassen, wie geht es denn mit uns Veranstaltungsheinis aus dem 1. Stock weiter? Wann können wir denn unseren Partykeller jetzt wieder haben?“ 
Irgendwie war die Hausverwaltung aber nie wirklich erreichbar. Einige sind noch im Homeoffice, andere haben irgendwie kein bock ans Telefon zu gehen. So richtig, kann man uns die Frage nicht beantworten. 
Zum Glück gibt es aber bei den Veranstaltungsheinis ein paar WG Mitbewohner, die sehr gut reden und recherchieren können, die haben sich in ihrem Verein, den sie neben dem Partykeller noch betreiben zusammen getan, um mit ein paar Argumenten und Fragen der Hausverwaltung auf die Pelle zu rücken.

Dazu müssen Unterschriften in der WG gesammelt werden, um der Hausverwaltung auch erstmal zu sagen, dass im 1. Stock verdammt viele Veranstaltungsheinis wohnen. Das wusste ja die Hausverwaltung noch gar nicht. Die dachten, da wohnen fünf so Quatschköpfe, die nur saufen und kiffen im Sinn haben. Das da aber hunderte von Familienmenschen und hart arbeitenden Damen und Herren wohnen, war niemand so wirklich klar.

Nachdenken ja, kümmern nein

Das hat die Hausverwaltung zum Nachdenken gebracht, aber so wirklich kümmern möchte man sich dennoch nicht. 
“Hartz 4 wäre doch ne Option, oder ihr arbeitet einfach am Kiosk um die Ecke. Das wäre doch auch was?!“ 
Ist zwar gar nicht so einfach, weil ja die Wohnung und der Partykeller gerade den Bach runter gehen, aber auch da wären die Mitbewohner zum reden bereit. 
Wichtig war jetzt der Hausverwaltung erstmal, dass man den feinen Herren vom Autoladen um die Ecke hilft und den Mietern aus dem 5. Stock mit ihren Flugzeugen. Weil die hat es ja angeblich viel heftiger getroffen, die mussten ihre Mitarbeiter sogar aus dem Büro in Kurzarbeit schicken.

Da haben die Veranstaltungsheinis aus dem 1. Stock dann aber zur Hausverwaltung gesagt: “Ja, moment mal, aber wir wurden doch auch alle gekündigt und müssen weiterhin Miete bezahlen.” 
“Ja das ist richtig”, hat die Hausverwaltung geantwortet… 
Wie sich aber rausgestellt hat, war der Hauptmieter aus dem 5. Stock n alter Freund vom Chef der Hausverwaltung. 
Deswegen wurde denen schneller geholfen.

Die Leute im 1. Stock bleiben immer noch geduldig und warten ab, was denn nun mit dem Partykeller ist und wie sie denn den ganzen Scheiss dennoch sauber halten, obwohl sich gerade andere Mietparteien wegen verschiedenen Sachen draussen auf der Strasse treffen und demonstrieren.

Da denken sich die Veranstaltungsheinis auch so: “Halt, Stop, warte mal, wenn die auf die Strasse gehen können und niemand was dagegen sagt, warum dürfen wir denn dann nicht auch unseren Partykeller wieder aufsperren?”

Fragen über Fragen.

Die Herren mit den Flugzeugen schulden mir noch Geld

Ach ja übrigens ihr grossen feinen Herren aus dem 5. Stock, ihr schuldet mir noch Geld. Weil ich konnte ja nicht fliegen im März bzw. April. Jetzt ist ja jeder im Homeoffice und es dauert noch bis zu 14 Wochen, bis wir Flugreisenden unser Geld wieder bekommen, weil ja euere Flieger nicht abheben durften. Lieber Chef vom Kranich, erledigt das bitte schnellstens. Vielleicht ja mit dem Geld was euch der Hausverwaltungschef gegeben hat. 
Nächstes Jahr wollen wir ja auch wieder mit euch fliegen, wenn wir unsere anderen Partykeller in den USA, China, Südamerika, oder sonst wo bespielen möchten.

Bis dahin, warten wir halt jetzt mal zuhause bzw. vor den Autos….und machen mal ein paar rote Lichter an!
Tschüüüüüühhüüüüssi!


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