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vor 3 Wochen

Susanne Buchheim: Geht’s noch?

Susanne Buchheim
Susanne Buchheim

Zum Ende des letzten Jahres erreichte mich von einem meiner Auftraggeber eine Email, in der man mir zum einen für die gute Zusammenarbeit dankte und mir zum andern erklärte, wie meine Rechnung im kommenden Jahr auszusehen habe, damit man sie intern noch bearbeiten könne.

Man drohte in dieser Email explizit damit, Rechnungen nicht mehr zu bearbeiten (sprich zu bezahlen), sollten sie nicht dem vorgeschriebenen Format entsprechen.Das vorgeschriebene Format forderte unter anderem, dass ich die mir vom Auftraggeber zugeteilte Kundennummer verwendete und dass ich meine Leistungen mit mir vom Auftraggeber vorgeschriebenen Nummern versehe.


Es war nicht die erste Email dieser Art.

Regelmäßig fordert man von mir Sachen wie ein Status-Feststellungsverfahren zur (Schein-) Selbständigkeit einzuleiten, Dokumente in irgendwelche Portale hochzuladen, die niemanden etwas angehen (Unbedenklichkeitsbescheinigung und Ähnliches) oder sogar, meine eigenen AGBs nicht mehr auf die Rechnung zu drucken, weil sie mit den AGBs des (Ex-) Auftraggebers in Konflikt stehen.

Die Krönung finde ich persönlich ja, wenn mein Auftraggeber bestimmt, nach wie vielen Tagen er sich dazu herablässt, meine Rechnung zu bezahlen, ungeachtet des Zahlungsziels, was bei mir auf jeder Rechnung deutlich lesbar abgedruckt ist. Oder wenn er selbsttätig entscheidet (was bei mir glücklicherweise noch nie vorgekommen ist, aber ich hörte davon von Kollegen), dass er bei schnellerer Zahlung zum Ziehen von Skonto berechtigt sei.

Auch fordern Auftraggeber immer wieder Belege für abgerechnete Auslagen, weil sie der Meinung sind, diese Belege gehörten in ihre Buchhaltung, was unglaublicher Schwachsinn ist.
Deren Beleg ist ja meine Rechnung und der Originalbeleg gehört in meine Buchhaltung.

Und obwohl ich das alles für anmaßend halte, war doch diese spezielle Email die dreisteste und falscheste, die ich bislang erhielt.

So dreist, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, mich aufzuregen!

Schlechte Angewohnheit

Immer wieder bekomme ich von Auftraggebern Vorschriften darüber, wie ich mich als Unternehmerin Ihnen gegenüber verhalten soll, einige verlangen sogar die Unterschrift eines Vertrages. Wobei nicht alles immer nur Schwachsinn ist.

Das sind zum Beispiel so nachvollziehbare Sachen wie Verschwiegenheitsklauseln, die ich gerne und voller Überzeugung unterschreibe oder die Bitte nachzuweisen, dass ich haftpflichtversichert bin. Für solche Sachen habe ich Verständnis.

Ein Kollege erzählte mir nun aber von einem Unternehmen, das im Zuge des neuen Datenschutzgesetzes von allen Unternehmern erwartet, sämtlichen Schriftverkehr nach einer Veranstaltung zu löschen, was zum Beispiel auch Emails betrifft.

Ja glauben die denn, dass der am Wochenende nichts Besseres zu tun hat, als sich hinzusetzen und zu gucken, welche Emails er noch löschen muss? Ganz zu schweigen davon, dass er so seiner gesetzlichen Dokumentationspflicht nicht mehr nachkommen kann.

Es ist eine sehr schlechte Angewohnheit der Auftraggeber, uns zu behandeln wie Angestellte, in dem man uns in unsere Abläufe hineinpfuscht, aber gleichzeitig zu verlangen, dass wir nicht scheinselbständig sind.

Kunde oder Lieferant?

Mir, dem Unternehmer, vorzuschreiben, wie ich meine Rechnungen zu schreiben habe und mir gleichzeitig anzudrohen, sie nicht mehr zu bezahlen, wenn ich mich nicht daran halte, ist eine bodenlose Unverschämtheit, die mich maßlos ärgert.

Da ich ein durchaus kommunikativer Mensch bin, habe ich meinem maßlosen Ärger insofern Ausdruck verliehen, als dass ich eine lange Email zurückgeschrieben habe, in der ich – meiner Meinung nach – sehr sachlich darauf eingegangen bin.

Da habe ich zum Beispiel erklärt, dass man mir natürlich gerne eine Kundennummer zuteilen könne und dass ich die auch gerne angebe, wenn ich denn einmal in die Verlegenheit kommen sollte, bei diesem Auftraggeber etwas kaufen zu wollen. Dass ich aber im echten Leben meine Dienstleitung an ihn verkaufe, er also mein Kunde ist und ich sein Lieferant; wenn überhaupt, also eine Lieferantennummer bekommen müsse.

Diese Nummer muss ich aber natürlich nicht auf meiner Rechnung angeben. Ich könnte, wenn man mich nett fragt (und normalerweise bin ich die letzte, die einer netten Bitte nicht nachkommt), aber man kann mir nicht androhen, meine Rechnung sonst nicht zu bezahlen.

Ich stelle mir hier immer mal gerne vor, wie ich bei der Telekom anrufe und denen mitteile, dass ich leider meine Telefonrechnung nicht bezahlen kann, weil die vergessen haben, ihre Lieferantennummer auf ihre Rechnung zu schreiben.

Die würden mir einfach das Telefon abstellen. Fertig!

Exkurs: Buchhaltung

Da ich selbst als Buchhalterin ausgebildet wurde und einige Jahre in diesem Job gearbeitet habe, möchte ich Euch mit einem kurzen Exkurs zum Thema Buchhaltung strapazieren:
Ein Buchungssatz (das, was die Buchhaltung braucht, um eine Rechnung verbuchen zu können) besteht immer aus einem Konto und einem Gegenkonto. Ich buche eine Rechnung an mich (Eingangsrechnung) auf ein Kostenkonto und gegen einen Kreditor. Also zum Beispiel „Telefonkosten gegen Telekom“.

Größere Unternehmen haben noch eine interne Kostenrechnung, um sehen zu können, ob ein Projekt Gewinn oder Verlust erwirtschaftet. Da bucht man dann noch eine Kostenstelle zusätzlich. Also zum Beispiel „Transportkosten gegen Trucking Service, Kostenstelle Roland Kaiser Tour“.

Jetzt erwartet ein Auftraggeber also von mir, dass ich eine Lieferantennummer angebe. Das ist das Kreditorenkonto, also zum Beispiel Telekom, Trucking Service oder eben Susanne. Das heißt, die Buchhaltung muss nicht mehr suchen, welche Kontonummer ich habe, sondern ich schreibe sie ihnen auf die Rechnung.

Auch die Kostenstelle liefere ich mit, denn ich schreibe nicht mehr nur drauf Roland Kaiser Tour 2019, sondern zusätzlich noch Projekt Nr. 13859. Nun erwartet dieser Auftraggeber von uns außerdem, unsere Leitungen mit Nummern zu spezifizieren, ein Leistungsverzeichnis wurde mitgeschickt. Die Nummern beginnend bei 3100 sind nach Leistungsarten wie Lichttechnik, Tontechnik etc. aufgesplittet.

Hier erkennt mein innerer Buchhalter natürlich sofort das Sachkonto 3100 für Fremdleistungen, unter welches man unsere Leistungen auch korrekterweise buchen würde, wenn man den Kontenrahmen SKR 03 benutzt, was die meisten Unternehmen tun.
Das bedeutet konkret, dass wir diesem Auftraggeber auch noch das Sachkonto mitliefern: „Fremdleistungen Lichttechnik gegen Susanne, Kostenstelle Roland Kaiser Tour“. Ein kompletter Buchungssatz.
Dass dieses System meinem Auftraggeber die Arbeit sehr erleichtert ist wohl jedem klar.

Was aber außerdem passiert, ist, dass ich hier in ein internes System eingegliedert werde, und zwar nicht in das System meines eigenen Unternehmens, sondern in das meines Auftraggebers.
Und das ist deswegen unglaublich gefährlich, weil es ein Hauptkriterium für Scheinselbständgkeit ist.

Wehrt Euch!

Auch dies teilte ich – meiner Meinung nach relativ freundlich – meinem Auftraggeber mit, der mir in seiner ursprünglichen Email den Dialog bei Fragen angeboten hatte, den ich damit suchte.
Auf meine Email folgte allerdings kein Dialog, wie angeboten, sondern ein großes Schweigen.

Dieses Schweigen interpretierte ich als Aussage darüber, dass sich alle andern ohne zu Murren gefügt haben und ich wiedermal die einzige war, die die Fresse aufgemacht hat.
Insofern kann ich mich jetzt natürlich entscheiden, das persönlich nicht mitzumachen, bin dann aber einen Auftraggeber los und der eine Technikerin.

Es wäre nicht der erste Auftraggeber, den ich wegen Meinungsverschiedenheiten über die Abrechnungsmodalitäten verloren hätte, und es wäre wahrscheinlich auch für beide Seiten nicht wirklich tragisch.
Es fuchst mich aber unheimlich, dass sich keiner von uns selbständigen Technikern gegen so etwas wehrt. Wieso lasst Ihr das mit Euch machen?Es reicht!

Wir sind die Unternehmer. Nicht die Angestellten. Also lasst uns verdammt nochmal anfangen, uns wie solche zu benehmen!
Wir entscheiden, wie teuer wir sind und wie viele Stunden eine Tagespauschale beinhaltet. Wir entscheiden, ob wir Nacht- oder Wochenendzuschläge haben wollen und wie viele Spesen wir berechnen.
Wir bestimmen vor allem, was unser Zahlungsziel ist, ob wir gerne Skonto geben möchten und wenn ja, zu welchen Bedingungen.

Und wenn das irgendwem nicht passt, soll er sich jemanden suchen, der das mit sich machen lässt! Und tut mir bitte einen Gefallen, Ihr alle, die Ihr das jetzt lest und Unternehmer seid: Lasst Euch nichts mehr überbügeln! Diese ganze Schikane hört nur auf, wenn wir uns alle gemeinsam wehren.

Ton und Musik

Dazu möchte ich noch etwas sagen, weil ich nicht ungerecht sein möchte. Ich habe selbst als Buchhalterin gearbeitet  und einen Pulk an freien Inspektoren aus vielen verschiedenen Ländern abgerechnet. Ich weiß sehr genau, wie schwierig es ist, wenn jeder freie Mitarbeiter sein eigenes Rechnungssystem hat, wenn dazu noch unterschiedliche Sprachen und Währungen kommen, wird es wirklich böse.

Es ist nicht verwerflich, wenn man die freien Mitarbeiter bittet, einem dabei behilflich zu sein, diese vielen verschiedenen Formate zu vereinheitlichen, erst Recht nicht, wenn man selbst gegenüber einem großen Kunden abrechnen muss. Man kann das in einer Email nett erklären und dann darum bitten, die Leistungen so zu spezifizieren, dass sie in der Buchhaltung gut zugeordnet werden können.

Dann kann jeder Unternehmer selbst entscheiden, ob und wie er das in seine Rechnungen integrieren kann und ich glaube auch, dass sich viele kreative Möglichkeiten bieten, sich entgegen zu kommen.

Aber uns Unternehmern „Vorschriften“ zu machen und Rechnungen, die diesen „Vorschriften“ nicht entsprechen, zurückzuweisen und/oder nicht zu bezahlen ist schlicht unverschämt und entbehrt zudem jeder gesetzlichen Grundlage. Die einzigen Vorschriften, die wir wirklich einhalten müssen, sind die des Gesetzgebers.

Alles andere ist kompletter Schwachsinn, genauso wie die Anweisungen, Emails zu löschen oder ein Statusfeststellungsverfahren als Voraussetzung für ein Arbeitsverhältnis zu fordern.

Und sogar hier muss ich sagen, dass ich auch zu manchem Schwachsinn unter Umständen bereit wäre, wenn man mich nett darum bitten würde. Dass der Ton die Musik macht, haben offenbar Viele immer noch nicht verstanden.

Was in jedem Club selbstverständlich ist, muss zu unseren Auftraggebern erst noch durchdringen: Wer ficken will, muss freundlich sein!

In diesem Sinne: Alaaf und Helau!

Links:

 

Dieser Text erschien zuerst auf Susanne Buchheims Blog „Thinking Out Loud


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