Sunrise Stage: ØJE Studio verbindet Bühnenarchitektur, Licht und Video

Für die Sunrise Stage beim Isle of Summer hat Oje Studio eine dreidimensionale Bühnenstruktur entwickelt, in der LED-Flächen, Licht und Architektur gemeinsam gestaltet wurden. Im mothergrid-Videointerview erläutert Mitgründer Artem Kharchenko, wie volumetrische Inhalte entstehen, Gast-VJs eingebunden werden und der Datenaustausch zwischen Videosystem und Lichtpult funktioniert. Die Gesprächsführung übernimmt Matthias „Lumpy“ Vollrath, moderiert wird die Sendung von Markus Wilmsmann.

Ausgangspunkt der Gestaltung war die Idee, eine Festivalbühne als eigenständiges räumliches Objekt zu entwickeln. Die technischen Anforderungen sollten bereits im Entwurf berücksichtigt werden. Für die Sunrise Stage kamen mehrere Aufgaben zusammen: Die Struktur sollte auch bei Tageslicht wirken, Platz für den Backstagebereich bieten und den Wetterschutz gestalterisch integrieren.

Eine entsprechende Grundidee hatte Oje Studio bereits vor der konkreten Anfrage entwickelt. Ursprünglich war eine kleinere, interaktive Installation vorgesehen, die auf Menschen in ihrer Umgebung reagieren sollte. Für den Festivaleinsatz wurde daraus eine Bühne, deren visuelle Gestaltung durch Musik, Künstlerinnen und Künstler sowie die beteiligten Licht- und Videooperatoren beeinflusst wird.

LED-Module als Bildpunkte im Raum

Statt LED-Module zu einer geschlossenen Bildfläche zusammenzusetzen, verteilte das Team sie über mehrere Ebenen innerhalb der Konstruktion. Kharchenko beschreibt die Bühne als ein Volumen von 18 × 18 × 18 Metern. Die einzelnen LED-Module bilden darin große Bildpunkte, deren eigene Auflösung wiederum Farbverläufe und detailliertere Inhalte ermöglicht.

Der Unterschied zu einer bespielten Oberfläche liegt in der räumlichen Verteilung: Inhalte erscheinen auf verschiedenen Tiefenebenen innerhalb der Struktur. Die Gestaltung ist damit an das verfügbare Volumen und die Positionen der LED-Module gebunden.

Bei Tageslicht bleibt die Konstruktion als architektonisches Objekt sichtbar. Nach Einbruch der Dunkelheit tritt sie optisch zurück, während die leuchtenden Inhalte im Raum stärker hervortreten. Für den Einsatz der LED-Panels sprach laut Kharchenko auch ihr Verhältnis von Lichtleistung zu Kosten.

Generative Inhalte mit TouchDesigner

Für die Bespielung nutzt Oje Studio das eigene, auf TouchDesigner basierende System Morph. Für die Sunrise Stage wurde es um Funktionen zur Erzeugung und Darstellung dreidimensionaler Inhalte erweitert. Dabei lassen sich sowohl vorhandene 3D-Objekte verwenden als auch Formen unmittelbar im System generieren.

Die eigenen Inhalte entstanden laut Kharchenko vollständig generativ in Echtzeit und wurden durch die Musik beeinflusst. Ausgangspunkt sind gespeicherte Presets, deren Parameter während der Show verändert werden können. Aus dem Audiosignal gewonnene Informationen können beispielsweise die Größe oder Farbe eines Objekts steuern.

Die Bedienoberfläche vergleicht Kharchenko mit einem Synthesizer: Presets liefern einen Ausgangspunkt, während eine überschaubare Auswahl an Reglern den direkten Eingriff ermöglicht. Weitergehende Einstellungen bleiben zugänglich. Das Team entwickelt diese Oberfläche anhand der Erfahrungen aus den Produktionen weiter.

Vorhandenen Content von Gast-VJs einbinden

Für den Festivalbetrieb musste das System auch mit den vorhandenen Inhalten anreisender VJs funktionieren. Eine vollständige Neuproduktion des Contents für einen einzelnen Auftritt sollte keine Voraussetzung sein.

Deshalb entwickelte Oje Studio eine Möglichkeit, zugespielte Videosignale auf das räumliche System zu übertragen. Dabei wird unter anderem mit zeitlichen Versätzen zwischen den Ebenen gearbeitet. Zusätzlich standen konventionelle LED-Flächen oberhalb des DJ-Platzes und an zwei Säulen zur Verfügung, etwa für Namen und regulären Videocontent.

Die Gast-VJs erhielten eine Pixelmap; ihre Signale wurden in das Medienserversystem übernommen und dort weiterverarbeitet. Eine Vorvisualisierung ermöglicht außerdem, die Wirkung von Inhalten innerhalb der Bühnenstruktur vorab aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

© Fabian May
© Fabian May

Datenaustausch zwischen Video und Licht

Ein weiterer Bestandteil ist die Verbindung zwischen Morph und dem MA-Lichtpult. Das Videosystem übermittelt Informationen über die dargestellten Inhalte, darunter Haupt- und ergänzende Farben. Diese Werte können am Lichtpult weiterverwendet werden, während sie sich entsprechend dem Videocontent verändern.

Der Austausch funktioniert in beide Richtungen: Ein am Lichtpult ausgelöster Strobe-Befehl kann beispielsweise auch die volumetrische Darstellung beeinflussen. Ziel ist es, Licht und Video aufeinander abzustimmen und den Abstimmungsbedarf während der Show zu reduzieren.

Die Nutzung dieser Informationen bleibt den Operatoren überlassen. Sie können die übertragenen Werte unmittelbar einsetzen oder lediglich als Orientierung verwenden.

Beschallung als Teil des Entwurfs

Auch die Positionierung der Beschallungsanlage wurde in die Gestaltung einbezogen. Im Gespräch hebt Vollrath hervor, dass die Lautsprecher innerhalb der Struktur angeordnet sind und deren äußere Form dadurch erhalten bleibt.

Oje Studio verfügt laut Kharchenko über ein eigenes Audioteam, dessen Erfahrung auch in die Festivalplanung einfließt. Positionen, Abstände und das Erscheinungsbild der Beschallungsanlage gehören für ihn bereits an den Anfang der Bühnenentwicklung.

Vereinfachtes Backup für den Hitzefall

Für mögliche temperaturbedingte Probleme bereitete das Team ein alternatives Wiedergabesystem vor. Ein identisch aufgebauter zweiter Server hätte aus Sicht der Beteiligten das Risiko durch hohe Umgebungstemperaturen nicht ausreichend reduziert.

Das Backup basierte deshalb überwiegend auf Resolume und einem vereinfachten Signalweg. Es konnte die zugespielten Inhalte der Gast-VJs übernehmen und die LED-Ebenen mit zeitlichen Versätzen bespielen. Die vollständigen generativen Funktionen des Hauptsystems standen dabei nicht im Mittelpunkt; entscheidend war die weitere Wiedergabe der Showinhalte.

Ein Einsatz dieses Backups war laut Kharchenko nicht erforderlich. Trotz Außentemperaturen von zeitweise rund 40 bis 41 Grad Celsius seien GPU und CPU bei höchstens etwa 75 Grad geblieben.

Bei aller technischen Entwicklung steht für Kharchenko das Erlebnis des Publikums im Vordergrund. Architektur, Licht, Video und Ton sollen gemeinsam einen Ort schaffen, an den sich die Besucherinnen und Besucher erinnern.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen


Links:

Beiträge aus der Themenwelt

weitere spannende Beiträge

Oh! Sie scheinen einen Werbeblocker zu verwenden.

Unsere Website finanziert sich durch Werbung, um Ihnen kostenlose Inhalte anbieten und den Betrieb aufrechterhalten zu können. Indem Sie Ihren Werbeblocker deaktivieren, unterstützen Sie uns und tragen dazu bei, dass wir Ihnen weiterhin wertvolle Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen können.

Wir wissen Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung sehr zu schätzen. Vielen Dank, dass Sie erwägen, Ihren Werbeblocker für diese Website zu deaktivieren.