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vor 3 Monaten

Ethik und Grenzen

Händische Illustration eines Leopard-Kampfpanzers
Spätestens bei Kunden, die Waffen in Kriegsgebiete exportieren, hört bei Susanne Buchheim der Spaß und die Arbeit auf. | Illustration: Wikimedia Commons

Ein Gastbeitrag von Susanne Buchheim

Letztens bekam ich eine Anfrage für einen Job in Berlin im Hotel Maritim.

Ich sagte zu.

Später erst fiel mir auf, dass mein Auftraggeber mir gar nicht, wie sonst meist üblich, den Endkunden genannt hat und ich bekam ein beklemmendes Gefühl, denn so etwas passiert meistens dann, wenn der Auftraggeber meint, ich würde den Job nicht annehmen, würde ich den Endkunden kennen.

Ich rief also meinen Auftraggeber an und teilte ihm geradeheraus mit, dass ich unter keinen Umständen für die AfD arbeiten werde, jetzt nicht und überhaupt nicht.

Das war das allererste Mal, dass ich diese Grenze ziehen musste.

Und das bringt mich jetzt zu der Frage, wo diese Grenze, die ja bei jedem Menschen wahrscheinlich woanders ist, denn bei mir liegt?!

Ich bin sehr politisch, habe Grundsätze, eine Meinung und versuche, so gut es eben geht (manchmal geht es eben nur mittelgut), auch treu dieser Grundsätze zu leben.

Dazu gehört, dass ich nicht bei amerikanischen Fastfoodketten esse, nicht bei Billig-Klamotten-Ketten einkaufen gehe, lokale kleine Geschäfte unterstütze und nicht die AfD wähle.

Obwohl ich aber zum Beispiel mein Geld in keine amerikanischen Fastfoodketten trage, kommt es vor, dass ich für diese Fastfoodketten arbeite. Damit habe ich kein Problem. Genauso wenig habe ich ein Problem, wenn Ihr dort essen geht.

Ich hätte aber ein Problem damit, wenn Ihr die AfD wählt.

Nun leben wir in einem Land, in dem Meinungsfreiheit herrscht und leider dürfen eben auch AfD-Wähler ihre Meinung frei äußern.

Das finde ich vom Grundsatz her okay, ich möchte ihnen aber nicht dabei helfen.

Jetzt kommt wahrscheinlich irgendein Schlaumeier und sagt, dann dürfe ich ja auch nicht mehr für die CSU arbeiten, die wären ja auch nicht viel besser.

Und da fängt mein Problem an. Wo ist diese Grenze, die da auf einmal im Raum steht.

Wenn ich jetzt nur noch für Firmen arbeiten würde, hinter deren Inhalten ich zu hundert Prozent stehe, wäre ich arbeitslos.

Die großen Automobilhersteller wären alle raus, die Pharmakonzerne, so gut wie alle Parteien, ja selbst so eine Veranstaltung wie der UN Klimagipfel, den ich grundsätzlich für eine tolle Sache halte, wäre auf Grund seiner Ausführung (wie bereits berichtet) irgendwie raus.

Es ist mir also nicht möglich, die Grenze da zu ziehen, wo ich sie eigentlich gerne hätte.

Ein Kompromiss muss her.

So wichtig, wie ich es finde, dass diese Grenze bei mir existiert, so wichtig finde ich es auch, dass sie nicht zu starr ist.

Im Industriesegment meiner Branche geht es nun einmal darum, großen Konzernen bei der Ausführung ihrer Veranstaltungen zu helfen. Das ist der Job, den ich mache.

Große Konzerne sind per se immer ein wenig dubios, was Ethik angeht, sonst wären sie wahrscheinlich nicht groß geworden. Kleine Firmen oder Vereine haben meistens nicht das Geld, Veranstaltungen in der Größe zu machen, dass sie überhaupt jemanden wie mich brauchen.

Es ist also grundsätzlich schonmal so, dass ich mit meiner Arbeitskraft nicht den Weltfrieden unterstütze. Leider.

Es gibt aber Dinge – die ich so schlimm finde – und die sind von Natur aus bei jedem Menschen anders –  so Dinge wie Waffenexporte in Kriegsgebiete, Massentierhaltung, Diskriminierung von Minderheiten etc., dass ich Menschen, die so etwas tun, nicht mit meiner Arbeitskraft unterstützen möchte.

Jetzt kommt direkt der nächste Besserwisser und erklärt mir, dass das überhaupt nichts bringt, denn dann würde den Job halt jemand anders machen.

Stimmt nicht ganz.

Ja, den Job würde sehr wahrscheinlich jemand anders machen.

Aber: Kein einziger solider Techniker, den ich kenne, würde für die AfD arbeiten. Das bedeutet, dass die sich irgendeinen zweitklassigen Techniker dahinstellen müssen, der den Job im besten Falle nur deswegen macht, weil er so schlecht ist, dass er zu wenig Jobs hat und das Geld dringend braucht. Und das wird sich in der Qualität der Veranstaltung bemerkbar machen.

Es wird nicht an den Veranstaltern vorbeigehen, wie schwierig sich die Personalsuche gestaltet und auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist, so ist doch jede Erinnerung daran gut, dass „das Volk“ nicht hinter der AfD steht.

Außerdem. Der Blick in den Spiegel.

Vielleicht tickt da manch einer anders, aber ich ertrage mein Spiegelbild einfach besser, wenn ich weiß, dass ich bei solchen Sachen nicht mitmache.

Daher wird man mich nicht nur niemals auf einem AfD Parteitag sehen, sondern auch nicht bei Rheinmetall oder bei Wiesenhof, außer natürlich als Huhn verkleidet zusammen mit einer Aktivistengruppe der Animal Liberation Front.

Dieser Text ist ursprünglich auf dem Blog von Susanne Buchheim erschienen: Thinking out loud

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