Bis Februar 2022 hatte Alight knapp 90 Festangestellte. Zeitweise liefen bis zu acht Produktionen parallel. Das Unternehmen aus Kyjiw war – nach eigener Einschätzung und aus Sicht vieler in der ukrainischen Branche – das größte Veranstaltungstechnik-Unternehmen des Landes. Und auf dem besten Weg, sich auch international zu etablieren.
Angefangen hatte alles deutlich kleiner: ein paar Scheinwerfer im Kofferraum eines alten Volvo, eine Handvoll Studierende aus der Provinz, die in der Hauptstadt Fuß fassen wollten. Über Jahre arbeitete sich das Team nach oben – über Clubshows, TV-Produktionen, erste große Formate.
Ein Wendepunkt kam im Jahr 2015: Beim M1 Music Awards im Palast der Sportler setzte Alight als eines der ersten Veranstaltungstechnik-Unternehmen in der Ukraine auf modernste Hardware und ließ den Blicken für Details Taten folgen:
Schwarzes Aluminium-Trussing, Timecode-gesteuerte Shows und ferngesteuerte Follow-Spot-Technologie – zu der Zeit keineswegs alltäglich, nicht nur in der Ukraine. Für Gründer Volodymyr Andrusyshyn ein Bruch mit dem, was bis dahin Standard war – ein Aufbruch in ein neues technologisches Zeitalter.
Der vorläufige Höhepunkt für Alight folgte mit dem Konzert zum 30. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit im Olympiastadion – eine Produktion, die auch international zu den größten des Jahres zählte.
Dann kam der 22. Februar 2022: Der Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine
Heute sind 14 Mitarbeitende übrig. Ein Dutzend ehemaliger Kolleg:innen ist an der Front. Ein Großteil des Equipments wurde nach Polen verlagert, wo Alight inzwischen als Alight Production Group im europäischen Markt arbeitet.
In der Ukraine selbst finden nur noch vereinzelt Produktionen statt – wenn überhaupt. Jede davon unter Vorbehalt: Jederzeit kann ein Angriff mit Drohnen und Raketen alle Pläne über den Haufen werfen. Zermürbende Umstände, unter denen das Team von Alight versucht, so viel Normalität wie möglich aufrecht zu erhalten.
Für die, die geblieben sind, ist das inzwischen bitterer Alltag geworden. Tetyana Gardobiy beschreibt eine Situation, in der sich Routine und Ausnahmezustand ständig überlagern. Produktionen werden vorbereitet – oft ohne zu wissen, ob sie stattfinden können. Entscheidungen fallen kurzfristig, Abläufe brechen weg, neue entstehen. Und trotzdem wird weitergearbeitet.
Ein Teil der Veranstaltungstechnik wurde umfunktioniert. Scheinwerfer dienen heute der Drohnenabwehr: Komplexe Steuerungen wurden vereinfacht, damit sie im militärischen Kontext bedienbar sind.
Was bleibt, ist eine Form von Arbeit, die sich nicht mehr über Auslastung oder Wachstum beschreiben lässt. Andrusyshyn formuliert es nüchtern: Früher habe man über Form nachgedacht, heute über Sinn. Aufhören sei keine Option. „Wenn ich aufhöre, wird es nur schlechter.“
Wie sich das konkret anfühlt, schildern Tetyana Gardobiy und Volodymyr Andrusyshyn im aktuellen Video auf mothergrid:
Wir hätten gerne mehr über die Details berichtet, unter denen diese Produktionen stattfinden – technische Lösungen, simple Ideen für kleinere und größere Herausforderungen, die ein jederzeit möglicher Luftangriff so mit sich bringt.
Allerdings war unser oberstes Gebot, durch unsere Berichterstattung niemanden in Gefahr zu bringen, weswegen dieser Bericht gerade bei denen für Technikschaffende interessanten Aspekten nicht ins Detail gehen kann.
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