Das Musical setzen die Vereinigten Bühnen Wien im Ronacher auf automatisiertes zactrack Tracking für Licht, Ton und Video.
Das Musical feierte am 10. Oktober 2025 seine Weltpremiere. Für die technische Umsetzung der Konzepte von Lichtdesigner Ben Cracknell und Sounddesigner Carsten Kümmel nutzt das Produktionsteam Hard- und Software des österreichischen Technologieunternehmens zactrack.
Das System erfasst die Positionen der Darsteller und stellt die Daten den angeschlossenen Gewerken in Echtzeit zur Verfügung. Zum Einsatz kommen zehn Anker und 21 Tracker. Die von den Darstellern getragenen Tracker sind in Perücken oder eigens angefertigten Kostümtaschen untergebracht. Die schwarzen Anker befinden sich unauffällig in den Traversen des Theaters.
„Für die Produktion setzen wir insgesamt zehn Anker und 21 Tracker ein. Der vom zactrack-System abgedeckte Bereich umfasst in der zweidimensionalen Fläche rund 80 bis 100 Quadratmeter und reicht im dreidimensionalen Raum bis auf etwa sechs Meter Höhe“, erklärt Florian Andratsch, Leiter der Beleuchtung im Ronacher.
Automatisiertes Tracking als Teil des Lichtdesigns
Das Lichtdesign von Maria Theresia umfasst rund 1.500 Licht-Cues, integrierte Pixel-LEDs und unterschiedliche Nebeleffekte. Die Gestaltung wechselt zwischen groß angelegten Ensembleszenen und ruhigeren, intimen Momenten.
Lichtdesigner Ben Cracknell beschreibt den gestalterischen Ansatz als Verbindung unterschiedlicher visueller Ausdrucksformen: „Maria Theresia verfügt über eine außergewöhnliche musikalische und visuelle Welt. Wir erzählen die epische Geschichte einer bemerkenswerten Frau im Zentrum großer politischer und persönlicher Veränderungen. Mein Ansatz war es, ein Design mit einem breiten visuellen Vokabular zu schaffen, das in einem Moment schön, skulptural und theatralisch sein kann und sich im nächsten in etwas Kühnes, Zeitgenössisches und Spektakuläres verwandelt.“
Das Trackingsystem ist dabei nicht nur als automatisierter Ersatz für einen klassischen Verfolgerscheinwerfer gedacht. Die Positionsdaten ermöglichen es, mehrere Scheinwerfer gleichzeitig auf Darsteller auszurichten und deren Bewegungen aus unterschiedlichen Winkeln nachzuführen.
„Das Spannende an zactrack ist für mich, dass es nicht einfach ein Ersatz für den traditionellen Verfolgerscheinwerfer ist. Das System ist zu einem weiteren kreativen Werkzeug im Lichtdesign geworden. Bei Maria Theresia nutzen wir Tracking, damit mehrere Scheinwerfer den Darstellern gleichzeitig aus verschiedenen Winkeln folgen und sie modellieren können“, sagt Cracknell.
Wie sich das in der Praxis umsetzen lässt, zeigt die Nummer „Ist viel jemals genug“. Hier steht Maria Theresia in einem einzelnen Gegenlicht, das ihrer Bewegung kontinuierlich folgt. „Diese Effekte wären ohne zactrack in dieser Form nicht umsetzbar“, erklärt Andratsch. Das System wird für die Lichtsteuerung in nahezu jeder Szene eingesetzt.
Für Cracknell ist auch die Wiederholbarkeit der Abläufe entscheidend: „zactrack sorgt dafür, dass wir das Lichtdesign von Vorstellung zu Vorstellung zuverlässig reproduzieren können. So kann ich mich auf das Gesamtbild konzentrieren.“
Vor jeder Vorstellung werden die Tracker geladen, auf ihre Funktion geprüft und an die Darsteller ausgegeben. Während des Betriebs überwacht das Team das System über einen webbasierten Monitor. Dort können unter anderem Geschwindigkeitsvoreinstellungen, Positionsversätze und Freeze-Werte angepasst werden.
122 Lautsprecher für ein räumliches Sounddesign
Auch das Sounddesign der Produktion setzt auf eine differenzierte räumliche Wiedergabe. Das Orchester spielt im Orchestergraben, während Schlagzeug und Percussion in eigens ausgestatteten Studioräumen im Untergeschoss untergebracht sind.
Insgesamt sind 122 Lautsprecher im Zuschauerraum und auf der Bühne installiert. Dazu gehören 50 Surround-Lautsprecher, die sich über alle Ebenen des Theaters verteilen. Über das System werden Atmosphären, Effekte und einzelne Instrumente wiedergegeben.
Sounddesigner Carsten Kümmel beschreibt die musikalischen Anforderungen: „Die stilistische Bandbreite ist sehr groß: Sie reicht von barockähnlichen Rezitativen bis hin zu Hip-Hop – und das in einer akustisch anspruchsvollen Umgebung für die Beschallung. Um diese Herausforderung zu lösen, habe ich mich für getrennte PA-Systeme entschieden: eines für das Orchester und eines für die Sängerinnen und Sänger. Darüber hinaus ist das Sounddesign in weiten Teilen dreidimensional angelegt, um dem Publikum ein möglichst umfassendes räumliches Klangerlebnis zu ermöglichen.“
Positionsdaten für die räumliche Ortung der Stimmen
Für die Lokalisierung der Stimmen im Zuschauerraum wird zactrack mit dem System TiMax kombiniert. Die Positionsdaten der Darsteller ermöglichen es, die Stimmen akustisch dort zu verorten, wo sich die Personen auf der Bühne befinden. Damit folgt die räumliche Wiedergabe der sichtbaren Bewegung.
„Dadurch nimmt das Publikum die Solisten stets aus der entsprechenden Richtung wahr“, erklärt Kümmel.
Die Positionsdaten werden außerdem für das Bühnenmonitoring genutzt. Die Solisten hören sich an ihrer jeweiligen Position um sechs Dezibel lauter. Dadurch kann die Gesamtlautstärke auf der Bühne reduziert werden. Zugleich gelangt weniger Schall von den Bühnenmonitoren in den Zuschauerraum. Das unterstützt die Sprachverständlichkeit und trägt zu einem klareren Klangbild bei.
Die technische Umsetzung erfolgt in enger Abstimmung zwischen Sounddesign, Tonabteilung, Musical Supervisor, Musical Director, Orchester und Regie. „Alle Beteiligten arbeiten eng zusammen, um die klanglichen Anforderungen der Produktion umzusetzen“, sagt Patrick Polly, Leiter Ton Musical.
Tracking beweglicher Bühnenelemente und Videoinhalte
Neben den Darstellern lassen sich mit zactrack auch bewegliche Bühnenelemente erfassen. Dafür kann das System Positionsdaten im PosiStageNet-Format (PSN) verarbeiten, die in Verbindung mit der Software Stage Precision Grid genutzt werden.
„Wir verwenden die PSN-Daten vom Schnürboden, also von einzelnen Zuglatten, Seilzügen und ähnlichen Elementen, um einzelne Bühnenteile zu tracken. In unserem Fall sind das beispielsweise eine fliegende Brücke oder ein fahrendes Podest in der Bühnenmitte“, erklärt Andratsch.
Auch die Videotechnik greift auf diese Daten zurück. So lässt sich etwa die räumliche Darstellung von Videoinhalten an die Bewegung der sogenannten Backwall anpassen, einer beweglichen LED-Wand.
Die Positionsdaten bilden damit eine gemeinsame technische Grundlage für mehrere Gewerke. Licht, Ton und Video können auf die Bewegungen der Darsteller und Bühnenelemente reagieren, ohne dass jede Anpassung manuell ausgelöst werden muss.
Österreichische Trackingtechnologie im Musicalbetrieb
Im laufenden Spielbetrieb unterstützt zactrack SMART die technische Umsetzung von Maria Theresia bei bis zu acht Vorstellungen pro Woche. Die automatisierte Erfassung und Verarbeitung der Positionsdaten ist dabei in die Abläufe der Produktion integriert.
Für Cracknell liegt der Nutzen vor allem in der Verbindung von technischer Zuverlässigkeit und gestalterischem Spielraum: „Letztlich ist es genau das, was ich an dem System am meisten schätze: Die Technologie tritt in den Hintergrund, schafft mehr kreative Freiheit und lässt das Publikum vollständig in die Geschichte eintauchen.“
Mit dem Einsatz von zactrack SMART verbindet das Ronacher automatisiertes Darstellertracking mit der Steuerung von Licht, räumlicher Beschallung und Videoinhalten. Die Technologie unterstützt damit die technische Umsetzung der Inszenierung, während sie für das Publikum weitgehend unsichtbar bleibt.
Links zum Thema:
(Quelle: Pressemitteilung)







