Wie beschallt man bis zu zwölf Blasmusik-Bands pro Tag – oft ohne Soundcheck? Freudenton und RCF Germany geben Einblicke in die technische Umsetzung beim Woodstock der Blasmusik.
Zwölf Bands pro Tag, zahlreiche Kondensatormikrofone, kaum Soundchecks und Besetzungen mit bis zu 20 Musikerinnen und Musikern – das Woodstock der Blasmusik stellt die Audiotechnik jedes Jahr vor besondere Herausforderungen. Gemeinsam mit Freudenton und RCF Germany setzt das Festival auf standardisierte Workflows und moderne Beschallungstechnik, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.
Das Woodstock der Blasmusik zählt zu den größten Festivals seiner Art. Doch während das Publikum Blasmusik, Brass Bands und große Ensembles erlebt, läuft hinter den Kulissen eine Produktion, die sich deutlich von klassischen Rock- oder Pop-Festivals unterscheidet.
Im mothergrid-Studio sprechen Matthias Harsch von Freudenton und Phil Scholz von RCF Germany über die besonderen Anforderungen an Festivalbeschallung, Monitoring und FOH – und darüber, warum beim Woodstock der Blasmusik vieles anders ist.
Große Besetzungen, viele Mikrofone und kaum Zeit
Schon die Bandbesetzungen machen den Unterschied. Neben klassischen Bands mit Bläsersektionen stehen regelmäßig große böhmische Formationen mit 14 bis 20 Musikerinnen und Musikern auf der Bühne. Nahezu jedes Instrument wird einzeln mikrofoniert.
„Es sind sehr viele Kondensatormikrofone auf der Bühne“, beschreibt Matthias Harsch die Situation. Gerade dadurch werde die Arbeit am Monitorplatz deutlich anspruchsvoller als bei vielen anderen Festivals.
Hinzu kommt der eng getaktete Festivalbetrieb. An einem Veranstaltungstag stehen bis zu zwölf Bands auf dem Programm – viele davon wechseln ohne vorherigen Soundcheck auf die Bühne.
Standardisierte Abläufe statt hektischer Umbauten
Damit dieser enge Zeitplan funktioniert, setzt Freudenton konsequent auf standardisierte Produktionsabläufe.
Die Kanalbelegung bleibt über nahezu alle Bands hinweg identisch. Instrumente wie Tuba, Posaunen oder Trompeten liegen immer auf denselben Kanälen. Dadurch können viele Einstellungen übernommen werden und die FOH-Techniker finden sich unabhängig von der jeweiligen Band sofort zurecht.
Ein großer Teil der auftretenden Formationen wird komplett über die Infrastruktur von Freudenton betreut – inklusive Funkstrecken und Clip-Mikrofonen. Nur Bands mit eigener vollständiger Backline bringen ihre eigene Technik mit.
Gerade diese Vorbereitung macht es möglich, dass der Großteil der Produktionen auch ohne Soundcheck zuverlässig funktioniert.
Positive Resonanz von Gasttechnikern
Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt sich laut Harsch auch in den Rückmeldungen der Gasttechniker. Viele FOH-Engineers reisen mit ihren Bands zum Festival und treffen dort auf eine vollständig vorbereitete Infrastruktur. Mikrofone anschließen, Funkstrecken übernehmen und direkt loslegen – dieser Workflow werde regelmäßig positiv bewertet.
Für viele Bands sei bereits der Auftritt beim Woodstock der Blasmusik etwas Besonderes. Entsprechend hoch seien auch die Erwartungen an die technische Umsetzung.
Unterschiedliche Bühnen, unterschiedliche Anforderungen
Auf Herstellerseite unterstützte RCF Germany die Produktion mit mehreren Beschallungssystemen.
Je nach Bühne kamen unterschiedliche Systeme zum Einsatz. Während im Stadel eine fest installierte RCF Lösung genutzt wurde, arbeiteten die größeren Festivalbühnen mit verschiedenen Systemen der TT+ Audio GTX-Serie. Auf der größten Bühne wurde das GTX 12 eingesetzt, auf einer weiteren Bühne das GTX 10. Im Festzelt feierte das GTX 7 C seinen ersten Einsatz beim Festival. Für Phil Scholz war gerade dieser Premiereinsatz ein besonderer Moment.
Weniger Schall hinter der Bühne
Im Festzelt bestand in den vergangenen Jahren eine bekannte Herausforderung: Starke Reflexionen erschwerten die Arbeit am FOH, gleichzeitig war der Backstage-Bereich hinter der PA deutlich mit Schall belastet.
Laut Scholz zeigte sich hier der Vorteil des eingesetzten vollkardioiden Systems. Hinter der Lautsprecheranlage sei hauptsächlich noch das Bühnenmonitoring wahrnehmbar gewesen, während der Bereich hinter dem Zelt deutlich ruhiger blieb.
Damit verbesserten sich nicht nur die Bedingungen für das Produktionsteam, sondern auch für die Musikerinnen und Musiker im Backstage-Bereich.
Monitoring profitiert von kontrollierter Abstrahlung
Auch Matthias Harsch hebt vor allem die Auswirkungen auf das Monitoring hervor. Gerade auf der größten Bühne des Festivals treffen zahlreiche Musiker, viele offene Kondensatormikrofone und eine hohe Publikumslautstärke zusammen. Allein die Besucher erzeugen im Zelt bereits einen sehr hohen Grundpegel.
Unter diesen Bedingungen Rückkopplungen zu vermeiden und gleichzeitig eine verständliche Sprach- und Gesangswiedergabe zu erreichen, gehörte in den vergangenen Jahren zu den größten Herausforderungen.
Nach seiner Einschätzung ließ sich diese Aufgabe in diesem Jahr deutlich einfacher bewältigen.
Kompaktes System mit überraschender Bassperformance
Neben der kontrollierten Schallabstrahlung blieb Harsch vor allem ein weiterer Eindruck in Erinnerung: die Basswiedergabe.
Beim Aufbau habe das System zunächst vergleichsweise kompakt gewirkt. Im Betrieb habe es jedoch deutlich mehr Leistung geliefert, als seine Größe vermuten ließ.
Besonders die Bassperformance überzeugte das Technikteam. Trotz kompakter Bauweise erzeugte das System einen druckvollen, präzisen Tieftonbereich, der laut Harsch von den FOH-Technikern auf dieser Bühne durchweg positiv bewertet wurde.
Festivalbeschallung beginnt lange vor dem ersten Ton
Das Woodstock der Blasmusik zeigt eindrucksvoll, dass professionelle Festivalbeschallung weit mehr umfasst als leistungsfähige Lautsprechersysteme.
Standardisierte Workflows, erfahrene FOH- und Monitor-Techniker sowie eine auf die besonderen Anforderungen der Blasmusik abgestimmte Systemplanung sorgen dafür, dass auch große Ensembles mit zahlreichen Mikrofonen und engem Zeitplan zuverlässig umgesetzt werden können.
Gerade dort, wo täglich zahlreiche Bands nahezu ohne Soundcheck auf die Bühne wechseln, wird deutlich: Erfolgreiche Audiotechnik entsteht nicht erst während der Show – sondern bereits in der Planung und in den durchdachten Abläufen hinter den Kulissen.
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