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Allgemeinvor 2 Wochen

„Willkommen bei Carmen Nebel“ – Atmosphärische Stimmungen ohne Haze, Pyro & Co?

Live-TV vor Publikum in Pandemiezeiten: Ein Exkurs

female showmaster
Carmen Nebel © ZDF / Sascha Baumann

Man mag es kaum glauben dieser Tage, doch am 19. September 2020 wurde zur besten Sendezeit am Abend tatsächlich eine aufwändig produzierte Fernsehshow live – und vor Publikum – aus der SACHSENarena Riesa im ZDF übertragen.

Das Format: bewährt. „Willkommen bei Carmen Nebel“ ist eine musikalische Charity-Gala zugunsten der Deutschen Krebshilfe. Mit einem Spendenaufkommen von sage und schreibe 3,7 Millionen Euro war die Show in dieser Hinsicht ein voller Erfolg.


Dabei stand das Projekt nur drei Wochen vor Produktionsbeginn plötzlich unter drastisch veränderten Vorzeichen. Während in der Anfangsphase der Vorbereitungen noch mit Haze, Nebel, Pyro, Flitter und Co. geplant werden konnte, wurde letztlich alles, was in irgendeiner Weise zu Luftverwirbelungen hätte beitragen können, untersagt. Das stellte das gesamte Produktionsteam der TeeVee Produktions GmbH, insbesondere aber Lichtdesigner Frank Hofmann (im Folgenden FH) von Scan Design Berlin vor Herausforderungen. Was tun, wenn alles, was bei einem Showpublikum Emotionen erzeugen kann, wegfällt?

FH zeichnete im Rahmen der Produktion verantwortlich für alle Titelinszenierungen sowie für das Licht- und Videodesign. Dabei entsprach seine Rolle eher der eines Art Directors, was dem kniffligen Unterfangen letztlich sehr zugute kommen sollte.

„Wir hatten die Show anfangs als klassische Beamshow konzipiert“, berichtet er. „In dem Moment, als klar war, dass wir weder Nebel noch Haze würden nutzen dürfen, verlangte das nach einer radikalen Kurskorrektur. Ich hatte ein Dach voller Beamlampen, von denen man ohne Nebel nichts sehen würde. Also flogen sämtliche Beamlampen kurzerhand raus und ich suchte in der Kürze der Zeit nach funktionierenden Alternativen. Mir war sofort klar: Ich will das Setup auf LED-Lampen umstellen und dafür brauche ich Scheinwerfer, die zum einen sehr, sehr vielseitig einsetzbar sind, zum anderen einen ordentlichen Punch haben und in der kürze der Zeit in ausreichenden Stückzahlen verfügbar sind.“

Oonagh © ZDF / Sascha Baumann

Nach dem Lichtdesign ist vor dem Lichtdesign…

Lange suchen mussten er nicht. Die impression X4 L waren „das Erste, was mir in den Sinn kam“, erinnert sich der Designer. „Ich habe schon oft sehr gute Erfahrungen mit diesen Lampen gemacht und ich war sicher: Mit diesen Lampen würde ich trotz der Corona-Restriktionen schöne Looks erzeugen können! Der X4 L hat unglaublich viel Punch und ist dank der vielfältigen Pattern-Variationen enorm vielseitig.“

Mit insgesamt 190 X4 L gelang es ihm, die ursprünglich vorgesehenen Beamlampen nicht nur zu ersetzen, sondern gleichzeitig für höchste Variabilität der Looks zu sorgen. Ein Asset, wenn insgesamt 15 grundlegend verschiedene Performances zu inszenieren sind.

Um die vielen verschiedenen Looks (Zoom, Gobos etc.), die sich mit Beamlampen hätten realisieren lassen, vollwertig zu ersetzen, brauchte es dann aber zusätzlich zu den X4 L noch ein weiteres Gestaltungsmittel. Eines, das nach Möglichkeit ganz anders aussehen sollte. „Eckiges Licht als Kontrast zum runden Look der X4 L“, wie FH es ausdrückt. Auch das eckige Werkzeug war schnell gefunden: 47 Hybrid-Strobes JDC1 von GLP kamen ergänzend hinzu. Diese verteilte der Designer sowohl im Rigg als auch auf dem Boden. Als lineare Beleuchtungslösung stießen abschließend noch SGM SixPacks hinzu. Mit nur drei Lampentypen hatte FH also alles, was er brauchte, um trotz aller Einschränkungen eine atmosphärisch ansprechende Show zu gestalten.

Santiano © ZDF / Sascha Baumann

„Richtig, es sind nur drei Lampentypen, die mir allerdings unzählige Gestaltungsmöglichkeiten und Kombinationen ermöglichten. So konnten wir ganz ohne Haze und Nebel wirklich wunderschöne Bilder erzeugen. Auch das JDC1 ist einfach unglaublich vielseitig. Allein mit dieser Lampe hat man schon sehr, sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten. In Kombination mit den X4 L und den SixPacks ergab das hochwertige, schöne Bilder. Ich bin sehr froh, dass ich die JDC1 auf mein Bitten hin noch dazu bekommen habe. Ist ja auch eine Budget-Frage. Ich muss sagen, auch hier hat mich die Produktion wahnsinnig toll unterstützt. Am Ende konnten wir trotz allem eine fulminante ZDF Samstagabend-Show abliefern, mit der alle Beteiligten mehr als glücklich waren. Insbesondere die JDC1 von GLP haben der Show einen wirklich edlen Look verpasst.“

Das Setdesign – zwischen Video und Requisite

Für das Setdesign zeichnete Bella Reicheneder verantwortlich. In erster Linie stellte sich die Frage, wie es gelingen könnte, jeweils ganz eigene haptische Performance-Räume für die insgesamt 15 Musik-Acts zu schaffen. Frank Hofmann verbrachte Wochen damit, in virtueller Zusammenarbeit mit Paul Happ, die Videocontents zu entwickeln. Nicht weniger Zeit ging für Planung, Entwicklung und Beschaffung von Requisiten drauf, mit denen es gelingen sollte, den Content der großen Center-LED-Wand im physischen Raum auf der Bühne fortzuführen. Da wurde tagelang recherchiert, auf Märkten gesucht, getestet und verworfen sowie Custom-Lösungen (z.B. für die Fackeln der Santiano-Performance) in Auftrag gegeben.

Frank Hofmann, besser bekannt als FH © Privat

Publikum in Lounge-Formation

Auch für den Publikumsbereich und das Publikumslicht waren kreative Ideen gefragt. Wo im Prä-Corona-Regelfall um die 2.600 Zuschauer Platz gefunden hätten, durften Mitte September 2020 nur 160 Personen im Zuschauerraum untergebracht werden. Und diese 160 hätten sich nicht gut in Reihen auf der Tribüne mit jeweils drei freigelassenen Plätzen gemacht… „Solche Bilder hätten uns die Show kaputt gemacht“, ist sich FH sicher.

Also wurde die Sitztribüne konsequenterweise gestrichen und das Publikum mit vorschriftsmäßigem, penibel ausgemessem und präzise eingezeichnetem Abstand an Zweiertischen in einer Art Lounge platziert, die gemütlich beleuchtet und derart ins Design integriert war, dass teilweise der Eindruck entstand, es sei Teil der Performances. Zwar gab es auch das klassische Publikumsvorder- und -hinterlicht, doch es wurde nur sehr sparsam eingesetzt. Selbstverständlich waren auch alle Laufwege von Publikum und Crew sowie alle Kamerapositionen und -fahrtwege vorab coronakonform erdacht und gut sichtbar ausgewiesen.

FoH of Distance

Alles in allem zweifellos eine Mammutaufgabe. Verantwortlich für das umfassende Hygiene- und Sicherheitskonzept war der technische Leiter der Produktion, Ulrich Schmitz. Im Rahmen des Konzeptes wurde auch das klassische Opening und das übliche Finale der Show mit allen Beteiligten auf der Bühne gestrichen.

FoH-Planung für „Willkommen bei Carmen Nebel“ © Dominik Müller

Offenkundig war auch die FoH-Situation sehr besonders. Im Vorfeld waren die verschiedensten Varianten und Konzepte besprochen worden: mit Maske nahe an der Bühne, ohne Maske und mit Plexiglas-Trennern oder ohne alles, aber mit ganz viel Abstand. Da letztlich niemand gerne stundenlang mit Maske arbeiten wollte, entschied man sich für die Großraumlösung mit 20 x 4,5 Metern. Nach Absprache mit allen beteiligten FoH-Kollegen wurde dieser „FoH of Distance“ nach Vorgaben von FH von PRGs Dominik Müller geplant. Und zwar bis ins letzte Detail: Wer sitzt wo und wieviel Abstand besteht zu den Nachbarn? Mal kurz zum Kollegen vom Video rüberschlendern? Fällt aus. Die Kommunikation lief ausschließlich über Headset. Wer den Arbeitsplatz verlässt, trägt Maske. Unterm Strich sei das aber die Lösung gewesen, mit der sich alle Kollegen am wohlsten und sichersten gefühlt hätten.

FoH-Situation © Dominik Müller

„Es war trotz der Umstände ein tolles Arbeiten“, stellt FH abschließend fest. „Die Produktion hat mir ihr vollsten Vertrauen geschenkt, sodass alle Planänderungen total geschmeidig umgesetzt werden konnten. Auch der Produzent, Hermes Eck, hat mich uneingeschränkt bei meinem Show-Konzept bezüglich der Corona-Restriktionen unterstützt. Und PRG hat als technischer Dienstleister wieder einmal einen großartigen Job gemacht. Das Feedback nach der Sendung war umwerfend. Wir haben von allen Seiten nur Lob geerntet. Vielen Dank an alle beteiligten Kollegen! Das zeigt: Live-TV-Shows sind machbar, wenn alle an einem Strang ziehen.“

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