Konferenzbeschallung für 10.000 Menschen ist eine Herausforderung – insbesondere dann, wenn die Halle akustisch wenig verzeiht.
Bei der AAIC Conference 2026 im ExCeL London musste die größte General Session mit rund 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern beschallt werden. Gefordert war vor allem eines: maximale Sprachverständlichkeit über eine enorme Fläche hinweg. Gleichzeitig sorgten harte, reflektierende Oberflächen, fehlende Vorhänge und anspruchsvolle Sichtlinien für zusätzliche Herausforderungen bei der Planung.
Markus Wilmsmann hat sich für mothergrid mit den Verantwortlichen über das Projekt unterhalten. Bernhard Höss, technischer Leiter der Veranstaltung, Jesse Staber von Staber Veranstaltungstechnik sowie Christoph Wöhler von Kling & Freitag geben Einblicke in die Planung und Umsetzung der Beschallungslösung.
Breakout-Sessions
Die Dimensionen des Projekts waren durchaus außergewöhnlich. Die zu beschallende Halle maß rund 110 × 80 Meter. Neben der großen General Session fanden zahlreiche weitere Veranstaltungen und Breakout-Sessions statt – wobei „Breakout“ in diesem Fall keineswegs mit einem kleinen Nebenraum gleichzusetzen war: Teilweise mussten auch dort bis zu 2.000 Personen erreicht werden. Für das ausführende Team bedeutete das eine entsprechend umfangreiche technische Planung und Logistik.
Kling & Freitag Sequenza 8
Zum Einsatz kamen insgesamt 60 Elemente des Kling & Freitag Sequenza 8, einem Drei-Wege-Line-Array-System mit Doppel-8-Zoll-Bestückung. Die Hauptarrays wurden aufgrund der baulichen Gegebenheiten in den äußeren Bereichen der Front positioniert und durch kürzere Infill-Systeme ergänzt. Zusätzlich kamen an acht Positionen Delay-Systeme zum Einsatz, um eine möglichst gleichmäßige Versorgung der weitläufigen Publikumsfläche zu erreichen.
Eine zentrale Rolle spielte dabei die Möglichkeit, die horizontale Abstrahlung der Arrays flexibel anzupassen. Durch die True Shape Horn Technologie konnten die Systeme so konfiguriert werden, dass die Schallenergie gezielt in die benötigten Bereiche gelangte. Gerade bei einer Konferenz, bei der es weniger um maximalen Pegel als vielmehr um eine möglichst gleichmäßige und präzise Sprachübertragung geht, kann diese Flexibilität entscheidend sein.
Keine Profi-Sprecher
Denn auch die Mikrofonierung stellte besondere Anforderungen: Statt routinierter Moderatoren standen vor allem Professorinnen und Professoren am Rednerpult oder mit Ansteckmikrofon auf der Bühne. Gleichzeitig durfte die Beschallung weder die Sichtlinien beeinträchtigen noch unnötig in Bereiche abstrahlen, in denen sie nicht benötigt wurde.
„Horror“ aus tontechnischer Sicht
Bernhard Höss beschreibt die Halle aus tontechnischer Sicht als „Horror“: große plane Flächen, Reflexionen und kaum schallabsorbierende Elemente machten die Aufgabe nicht einfacher. Umso wichtiger war eine Beschallungslösung, die sich an die Gegebenheiten anpassen ließ – und genau diese Flexibilität erwies sich im Betrieb als großer Vorteil.
Staber Veranstaltungstechnik
Für Jesse Staber war das Projekt zudem ein weiterer Meilenstein in einer langjährigen Zusammenarbeit. Staber Veranstaltungstechnik arbeitet bereits seit vielen Jahren mit dem US-amerikanischen Produktionsunternehmen Stage Right zusammen, das wiederum seit 17 Jahren bei Veranstaltungen der Alzheimer’s Association auf das Team setzt. Auch die Zusammenarbeit mit Kling & Freitag hat Tradition: Seit Mitte der 1990er-Jahre setzt Staber auf die Systeme des deutschen Herstellers.
Bei der Auswahl eines neuen Beschallungssystems spielten deshalb nicht nur Klang und Sprachverständlichkeit eine Rolle. Feedback-Sicherheit, Handling und vor allem die Optik waren laut Staber ebenfalls wichtige Kriterien – gerade im Umfeld hochwertiger Corporate Events. Auch die Kombination aus Sequenza 8 und den eingesetzten Dynacord-TGX-Systemendstufen konnte im direkten Vergleich überzeugen.
Center-Array wurde abgewählt
Und obwohl die Beschallung am Ende sehr zuverlässig funktionierte, bleibt bei einem Projekt dieser Größenordnung immer Raum für Optimierung. Ein Thema war beispielsweise ein Center-Array über der Bühne, das ursprünglich geplant, später jedoch vom Kunden gestrichen wurde. Nach Einschätzung des Teams wäre vor Ort durchaus noch Platz für ein kleineres Center-System gewesen. Gerade bei Rednern hätte dies die akustische Ortung weiter verbessern können.
Wie gut die eigentliche Lösung funktionierte, zeigte sich schließlich unter besonders ungewöhnlichen Bedingungen: Während der Konferenz fand außerhalb des ExCeL London ein Techno-Festival statt. Der Bass und die Musik waren auch innerhalb der Halle deutlich wahrnehmbar. Trotzdem blieb die Sprache für die Konferenzteilnehmer verständlich.
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