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vor 5 Monaten

Drumtex – Ein Mann für alle Felle

Drumtech Tex über den richtigen Umgang mit Schlagzeugfellen.

Tex van Buren in Aktion beim „Volle Kraft Voraus“ Festival für Eisbrecher. # © Markus Wilmsmann
Tex van Buren in Aktion beim „Volle Kraft Voraus“ Festival für Eisbrecher. # © Markus Wilmsmann

Ein Gastbeitrag von Tex van Buren (Drumtex)

Aus aktuellem Anlass möchte ich einen Artikel zum Thema „Fellwechsel im Amateurbereich“ posten. Wobei „Amateurbereich“ gar nicht abwertend klingen soll.

-Damit meine ich Leute, die uns Techs immer wieder fragen: „Ey sach ma, ich hab da n Drumset aber nicht viel Erfahrung mit dem und dem Fell, kannst du mir da weiter helfen?“
Ich versuche es gerne mal…

In letzter Zeit erhalte ich oft von Bekannten und Freunden, die hobbymässig aber auch fortgeschritten trommeln und sehr passioniert dahinter sind, immer wieder Fragen zum Thema –„Ey Tex, du bist doch Drumtech, ich würde gerne Felle wechseln, was muss ich denn da beachten, oder welche Felle soll ich denn draufziehen?“ Meistens versuche ich diese Fragen immer so ausführlich wie möglich zu beantworten, jedoch fällt mir oftmals nur die einzig mögliche Antwort ein und zwar: „JA!“ 😀

Ich weiss, das hilft euch jetzt auch nicht weiter, aber da müssen wir das Pferd von ganz hinten auf Dingens-Bummens. Da steckt nämlich zum einen ein Haufen Gegenfragen drin und zum anderen kann man das pauschal einfach nicht genau beantworten.

Woher weiß der das alles???

Kurzer Rücksprung in der Geschichte: Viele denken immer, „Ah der Tex, der ist mit den absoluten Grössen unterwegs, der weiss immer genau was das richtige ist“, dem sei gerne gesagt: – eeeeeh ZOOONK! 😀

Der Tex hat – und das ist richtig – das Privileg mit einem der besten Metaltrommler (Sven Dirkschneider), der übrigens selber ein hervorragender Tech ist, auf Tour zu sein bzw. Achim Färber zu betreuen, ein fantastischer Artist, der seit über 30 Jahren im Touringcircus für die Besten ihres Genres trommelt.

Also hab ich das Privileg, „oben“ mitspielen zu dürfen, das heisst aber wiederum noch lange nicht, dass ich unfehlbar bin: Ich bin einer der unerfahrensten von all den Cracks die da draussen so rumlaufen. Da sind Kollegen dabei, die haben in 30 Jahren Berufserfahrung geschätzte 1.000 mal den Erdball umrundet und über 5.000 Shows betreut. Da bin ich sehr weit von entfernt! Aber ich lerne jeden Tag von den Besten dazu und darf meine eigenen Erfahrungen sammeln was den Beruf endlich zu dem macht, den ich immer haben wollte.

„Beruf“ klingt lustig. Ich verdiene Geld mit Trommeln aufbauen und stimmen und obwohl ich früher immer der etwas bessere Praktikant war, kann ich es heute immer noch nicht glauben, dass das ein Beruf ist, weil er gar so viel Spass macht!

Langer Rede kurzer Sinn: Ich darf mit unglaublich grossartigen Trommlern und Techs die Bühnen dieser Welt teilen und das macht mich unheimlich stolz und froh. Aber glaubt mir, selbst die grössten Techs haben nicht die Erfolgsformel für euer Drumkit.

Wir veranstalten sogar Trommeltage und Equipmenttalk-Stammtische bei führenden Fell- und Trommelherstellern bzw. Vertrieben, um unser Wissen, das nerdhafte Gut auszutauschen und gegenseitig Erfahrungen zu sammeln. Es ist ein unfassbar komplexes Thema, wie man denn nun so einen Kessel zum klingen bringen kann.

Oftmals sitze ich am Set und denk mir „Boah klingt das fett und geil“, da plärrt mir der FOH- bzw. Monitor-Mann ins Ohr, was ich denn da schon wieder für nen scheiss zusammen gestimmt habe! 🙈🤷‍♂️😂
Was oben fett tight klingt hinter der Bude muss unten vor der Bühne noch nicht gleich gut klingen. Das sind Nuancen, die man abstimmen muss und die von Venue zu Venue unterschiedlich sein können.

15 Drumkits in 18 Tagen

Ich habe z.B. auf der letzten Russland Tour die restliche Crew ganz schön genervt, weil ich skurrilerweise obwohl wir ne bevorzugte Marke an Drumset haben fast in jeder Venue nen anderen Kessel bzw. Fellkombinationen hatte. Da wollte ich eigentlich nur die Gelegenheit nutzen um mal eigene Erfahrungen zu sammeln, denn wo bekommt man in 18 Tagen schon mal die Chance 15 verschiedene Drumkits und Fellkombis auszuprobieren. In keinem Club konnte man sich auf den guten Sound von gestern verlassen, er musste jeden Tag neu “reproduziert“ werden. Und wer sagt denn, dass ein Tama Rockstar Kessel und ein Sonor Maple Force mit dem gleichen Remo Ambassador Fell gleich klingen. Pustekuchen.

Jedenfalls, um aufs Thema zurück zu kommen. Was ich eigentlich sagen will ist, dass man niemals einen richtigen Weg hat wie sein Drumset gut klingt. Da kann es schon ein anderer Spannreifen sein und schon klingt das ganze nie so wie man es eigentlich haben möchte bzw. die Trommel funktioniert so einfach nicht.

Also grundsätzlich ist die Marke erstmal völlig egal um das Thema auszuschliessen, „Du ich hab da ein Pearl gesehen das klang aber nicht so gut wie das Yamaha oder das Tama klang viel besser als das Sonor und DW klingt eh am allerbesten!“ Das kann man pauschal einfach nicht beantworten.

Die Mischung macht’s

Klar weiss ich für uns, in unserem Tour Setup, dass unser DW mit der und der Fellkombi und der Hardware, mit den Mikrofonen und dem geilen Support einfach den besten Job macht. Ich habe aber auch schon DW Drums gehört, die,unschön ausgedrückt, einfach scheisse geklungen haben. Schlicht und ergreifend nur, weil man komplett falsch an die Trommel rangegangen ist. Also das ist so einfach nicht zu beantworten, dass man gut klingen muss, nur weil man ein 5000 Euro DW Set daheim im Probekeller stehen hat. Ich habe schon 600 Euro Tama Swingstars besser klingen gehört.

Also ist das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Komponenten und natürlich nicht zuletzt die Struktur, was man denn eigentlich damit vor hat das aussschlaggebende Merkmal wie seine Trommel am besten klingt. Und da muss man jetzt ganz klar, wie ich finde, die Angst überwinden und einfach viel rumprobieren. Da mag jetzt der ein oder andere auf seinem neu gewonnenen Drumkit viel Attack wollen und, weil er ein „Hard Hitter“ Rocktrommler ist, auch ne Menge Pfund in den Kessel hauen. Da ist ein zweischichtiges Fell nun am besten. Also empfiehlt sich ein Fell in der Art Evans Clear G2 oder auch Remo Emperor Clear auf den Toms.

Muss man jetzt ausprobieren, wie der Kessel da nun klingt. Oftmals sehr beliebt ist dann als Resonanzfell ein einlagiges Fell wie ein G1 oder ein Remo Ambassador. Jetzt bin ich aber z.B. eher im Pop und vielleicht auch Jazz (iiiiiihh Jazz :D) unterwegs, also brauch ich da kein Hard Hitter Metal Head ala Emperor. Da bin ich jetzt mal der Ambassador-als-Schlagfell- und vielleicht Diplomat-als-Resohead-Typ, vielleicht auch ein Vintage Ambassador, man weiss es nicht.

Keeping it simple

Wie gesagt da muss man ausprobieren in welcher Range, Genre, Playpower und Langlebigkeit welches Fell am geeignetsten ist. Ich glaube, was in all den Fragen drin steckt ist das Vertrauen, selber in den Laden zu gehen und einfach mal ausprobieren. Viele Hersteller machen richtig gutes Zeug und es ist eigentlich schon alles erfunden. Und ich finde, was ganz oft hilft: Die Sache simpel zu halten.

Ich werde oft gefragt, „Du sag mal Tex, ich würde da gern nen Dämpfer drauf tun, soll ich da jetzt MppffGel oder lieber das Grrfssfweight oder doch lieber die Mahsdfctacs drauf machen?“ Auch da das gleiche wieder… Einfach mal auschecken. Klar, richtig eingesetzt tuts auch der Streifen Gaffa. Jeder will natürlich sein Produkt so effizient wie möglich verkaufen. Aber es geht häufig auch ohne, auch wenn ich auf Tour liebend gern 20 Packungen for free von Damper so und so oder Stickgrip XY haste nich gesehen dabei habe.

Geht raus, probiert aus und lasst euch niemals von Leuten einreden, dass nur das und das der einzig richtige Weg ist um an das Ergebnis zu kommen. Das ist Quatsch und das wissen die meisten auch.

Nach freundlicher Erlaubnis von Professor Dr. Tuning Rossi Roßberg (Drumtech Rammstein, Nena, etc.) möchte ich euch auch wärmstens empfehlen, seine Videoreihe bei Online Lessons zum Thema Drumtuning und drum herum zu holen bzw. sich das Video anzukucken. Rossi kann das sehr gut nochmal genau erklären, was so ein Kessel und das dazugehörige Fell eigentlich tun und was beim stimmen einer Tom, einer Bassdrum oder einer Snare alles so möglich und zu beachten ist.

Ich hoffe wir sehen uns out on se road again in 2019 sei es mit U.D.O. quer durch die Lande oder im Mai mit Eisbrecher in den wunderschönen Hallen Deutschlands und bis dahin.
Stay “tuned“!

Euer Drumtex

 


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