Tobias Lang im Interview: „Drohnenshows sind Digital Signage“ – Wohin sich der Markt entwickelt

Tausende Drohnen am Himmel, neue Geschäftsmodelle und eine wachsende Wertschöpfungskette: Tobias Lang beobachtet einen Markt im Umbruch. Warum er für Drohnenshows noch enormes Wachstum erwartet und welche Technologien als Nächstes die AV-Branche verändern könnten.

Seit einigen Jahren hat die LANG AG begonnen, in Showdrohnen zu investieren und dem Markt zu vertrauen. CEO Tobias Lang sagte von Anfang an: „Drohnenshows sind Digital Signage.“ Damit steht für ihn fest: Diese Technologie, die zuerst nicht unbedingt mit dem AV-Bereich assoziiert wurde, hat das Potenzial, ein starker Teil davon zu werden. Die derzeitige Entwicklung gibt Lang recht: Der Drohnenshow-Markt wächst immer weiter und gilt seit dem großen Auftritt auf der ISE 2026 als fester Bestandteil der professionellen Videotechnik. Grund genug für die LANG AG, einen Schritt weiterzugehen: Am 19. November findet in den Hallen der LANG ACADEMY die erste Ausgabe des Drone Summit statt und holt damit die klügsten Köpfe und einflussreichsten Stimmen aus der Industrie an einen Ort, um gemeinsam die Gegenwart und Zukunft des Drohnenmarktes zu besprechen. Im Rahmen der Vorbereitung stellt Lang einen Überblick über den derzeitigen Status Quo der Industrie zusammen und blickt darauf, was uns noch erwartet.

Wie hat sich der Markt für Drohnenshows und den kommerziellen Drohneneinsatz in den letzten zwei, drei Jahren am stärksten verändert?

Wie so häufig in der Geschichte von Technologie überlagern sich hier mehrere Effekte. Zum einen ist die Technologie selbst deutlich besser geworden. Drohnen werden durch ganz andere Anwendungsfelder wie Defense oder Logistik massiv vorangetrieben, und davon profitieren auch Show-Drohnen. Die Ansteuerung ist stabiler geworden, die gesamten Workflows sind professioneller, und heute kann man Shows mit tausend Drohnen fliegen und hat eine sehr gute Chance, dass anschließend auch tausend Drohnen wieder zurückkommen.

Gleichzeitig gibt es mehr Anbieter, und die Preise für Drohnenshows sind so weit gesunken, dass sie für eine wesentlich größere Kundengruppe attraktiv geworden sind. Dazu kommt, dass das klassische Feuerwerk aus Nachhaltigkeitsgründen und aufgrund zunehmender Brandgefahren immer stärker unter Druck gerät. Das macht es einem digitalen Zukunftsmedium wie der Drohnenshow natürlich leichter.

Entscheidend ist aber noch etwas anderes: Inzwischen ist eine echte Wertschöpfungskette entstanden. Genügend Unternehmen haben eine kritische Masse investiert, sodass Veranstaltungen und Dienstleistungen nicht nur theoretisch angeboten, sondern auch professionell und zuverlässig geliefert werden können.

Die Wertschöpfung in der Branche verlagert sich zunehmend von reiner Hardware hin zu Software, Services und Schulung. Was bedeutet diese Verschiebung für die Akteure am Markt?

Die Verlagerung von Hardware hin zu Software und Services ist natürlich ein globales Thema, das praktisch jedes Technologieunternehmen vorantreiben möchte, häufig mit ambitionierteren Zielen, als am Ende tatsächlich erreicht werden. Auch in unserer Welt werden wir noch lange ein gutes Stück Hardware brauchen.

Drohnenshows sind allerdings ein sehr gutes Beispiel dafür, wie sich Wertschöpfung tatsächlich verändern und aufteilen kann. Bei einer Show geht es längst nicht nur um die Drohnen. Es geht um Content-Erstellung und um den gesamten Workflow: Wie wird aus einem zweidimensionalen Firmenlogo eine dreidimensionale Inszenierung am Himmel?

Dadurch können sich Unternehmen sehr gezielt innerhalb der Wertschöpfungskette positionieren. Man kann Hardware-Dienstleister sein, Content erstellen oder sich auf die Operations vor Ort spezialisieren und die Show fliegen, ohne dafür selbst den Content erstellt oder die Drohnen besessen zu haben.

Genau dort sehen wir als LANG AG unsere Rolle. Wir möchten insbesondere klassischen Event-Unternehmen ermöglichen, ihre vorhandene Stärke in den Operations auszuspielen. Die Bereiche, die am Anfang schwierig oder investitionsintensiv sind, Hardware, Content-Erstellung und auch die rechtlichen und genehmigungsseitigen Hürden einer Drohnenshow, können wir zuverlässig abdecken. Ein Unternehmen kann so relativ einfach einsteigen und anschließend, wenn es möchte, Schritt für Schritt in weitere Teile der Wertschöpfung hineinwachsen.

Was sind die größten Chancen und Herausforderungen für neue Unternehmen im Drohnenshow-Markt?

Die größte Herausforderung ist überraschenderweise nicht die Technologie. Sie besteht darin, dem Endkunden zu erklären, welches Produkt er überhaupt erwerben kann. Die meisten Menschen haben bis heute keine Drohnenshow live gesehen und können sich entsprechend wenig darunter vorstellen.

Die zentrale Aufgabe besteht deshalb darin, den Point of Sale richtig zu erarbeiten und zu verstehen, wie man dieses neue Medium verkauft und einem Kunden verständlich macht, was damit möglich ist und welchen Mehrwert es für seine Veranstaltung bietet.

Der Rest ist inzwischen vergleichsweise einfach geworden, weil die einzelnen Leistungen modular innerhalb der Wertschöpfungskette eingekauft werden können. Man muss nicht mehr vom ersten Tag an alles selbst beherrschen und besitzen.

Wie groß ist das Potenzial des Verticals Drohnenshows?

Wir wissen heute vor allem eines: Drohnenshows stehen noch ganz am Anfang, denn wir sehen weiterhin starkes Wachstum. Wie weit dieses Wachstum am Ende gehen kann, lässt sich heute nur schwer seriös vorhersagen.

Ist das Bild am Himmel irgendwann eine selbstverständliche Ergänzung zum Bild am Boden? Kann es in bestimmten Situationen das Bild am Boden sogar ersetzen? Und ist die heutige Form einer Drohnenshow, bei der jeder einzelne Lichtpunkt von einer separat fliegenden Drohne erzeugt wird, überhaupt die Technologie, die sich langfristig durchsetzen wird?

Das sind offene Fragen. Was ich allerdings für eine ziemlich sichere Aussage halte: Der Markt für Drohnenshows wird mindestens zehnmal so groß werden wie heute. Und ich halte das noch nicht einmal für eine besonders mutige Prognose.

Welche Entwicklungen beobachten Sie derzeit mit besonderem Interesse?

Technologisch interessieren mich praktisch alle Facetten der Weiterentwicklung. Was können Drohnen künftig zusätzlich machen, was können sie tragen, werden wir wesentlich mehr Special Effects innerhalb von Drohnenshows erleben, entsteht parallel ein vergleichbarer Markt für Indoor-Drohnen? Das Medium ist technologisch noch längst nicht auserzählt.

Mindestens genauso interessant finde ich aber die wirtschaftliche Seite. Heute werden nur etwa die Hälfte der Drohnenshows von klassischen Eventdienstleistern abgebildet, gleichzeitig sehen wir viele neue Unternehmen, die diese Technologie nutzen, um mit einer neuen Geschäftsidee überhaupt erst in den Markt einzutreten.

Damit stellt sich eine grundsätzlichere Frage: Erleben wir hier lediglich die Weiterentwicklung eines bestehenden Marktes, oder ist die Technologie so disruptiv, dass sich auch die Marktteilnehmer verändern? Solche Effekte kennen wir aus vielen anderen technologischen Umbrüchen, man kann über Kodak und die Digitalfotografie sprechen, über Nokia und Smartphones oder über die Veränderungen durch Elektromobilität. Mich interessiert deshalb sehr, wer am Ende diesen neuen Markt prägen wird: die etablierten Unternehmen, neue Player, oder eine Mischung aus beiden.

Was braucht es, damit die heute stark fragmentierte Branche stärker zusammenarbeitet?

Ich bin gar nicht sicher, ob diese Fragmentierung verschwinden wird. Im Gegenteil, ich glaube, dass unsere Wirtschaft noch fragmentierter werden könnte. Gerade Technologien rund um künstliche Intelligenz ermöglichen es immer kleineren Unternehmen und teilweise sogar Ein-Personen-Firmen, hoch spezialisierte Dienstleistungen anzubieten.

Deshalb halte ich es für wichtiger, ein Ökosystem zu schaffen, das mit dieser Fragmentierung umgehen kann, anstatt zu versuchen, sie zu beseitigen. Ein solches System muss jede Unternehmensgröße integrieren können, unabhängig davon, wo das Unternehmen sitzt und welchen Teil der Wertschöpfungskette es selbst übernehmen möchte. Aus Sicht der LANG AG ist deshalb größtmögliche Flexibilität entscheidend. Der Kunde entscheidet, was er selbst machen möchte und was er von anderen Marktteilnehmern beziehen will.

Wo besteht in den kommenden zwei bis drei Jahren der größte Bedarf an Austausch und Zusammenarbeit?

Der Austausch ist vor allem deshalb wichtig, weil wir verstehen müssen, was wir aus dieser Entwicklung lernen können und wie die AV-Branche langfristig relevant bleibt. Die Frage der Drohnenshows lässt sich nämlich verallgemeinern: Wie integrieren wir Robotik oder autonome Systeme in eine AV-Dienstleistung?

Drohnen sind ein hervorragendes Beispiel dafür, wie eine Technologie, die ursprünglich nicht aus der klassischen AV-Welt kommt, plötzlich einen erheblichen Mehrwert für unsere Branche schaffen kann. Aber Drohnen werden sicherlich nicht die letzte solche Technologie sein.

Deshalb finde ich es technologisch wie wirtschaftlich spannend, nach den Nachfolgern zu suchen. Welche Technologien entstehen heute außerhalb unserer Branche, die morgen Bestandteil einer AV-Dienstleistung sein könnten? Genau solche Fragen werden auch beim Drone Summit im November in unserer ACADEMY diskutiert, wenn Akteure aus der gesamten Branche zusammenkommen, um genau diesen Austausch zu führen.

Mehr zum Portfolio der LANG AG erfahrt ihr unter: www.lang-ag.com

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