Olympia aus 6.400 Kilometern Entfernung: So produziert die NBC die Winterspiele

„Five, four, three, two, one …“ – und schon ist die Sendung live. Alles, was in den USA von den Olympischen Winterspielen zu sehen und zu hören ist, geht von hier auf Sendung: aus dem Hauptquartier von NBC Sports in Stamford, Connecticut.

Die Spiele finden zwar in Italien statt. Doch das Herz der amerikanischen TV-Produktion schlägt 6.400 Kilometer entfernt.

Olympia-Übertragung aus der Ferne: Wie funktioniert das?

NBC arbeitet eng mit dem Olympic Broadcasting Services (OBS) zusammen, dem offiziellen Host Broadcaster der Spiele. OBS liefert die internationalen Bild- und Tonfeeds aus Italien – tausende Videostreams und mehrere tausend Audiokanäle.

In Stamford werden diese Signale für den US-Markt neu gemischt, kommentiert, verpackt und schließlich auf Sendung geschickt – sowohl im klassischen NBC-Programm als auch auf der Streaming-Plattform Peacock.

Michael DiCrasenzo, Director of Audio and Production Workflow bei NBC Sports, bringt es auf den Punkt: „Alles, was bei NBC on air geht, kommt aus diesem Gebäude.“

Während der Olympischen Spiele arbeitet das Team mit etwa doppelter Kapazität im Vergleich zum normalen Sportbetrieb. Rund 120 Ingenieurinnen und Ingenieure stemmen die technische Mammutaufgabe.

„Off Tube“: Sport kommentieren ohne vor Ort zu sein

Ein zentrales Element der Produktion ist die sogenannte „Off Tube Factory“. „Off Tube“ bedeutet: Die Kommentatoren sitzen nicht im Stadion oder an der Strecke, sondern kommentieren das Geschehen anhand von Monitorbildern – so wie früher vor einem Röhrenfernseher („Tube“).

In Stamford stehen bis zu 32 Sprecherkabinen bereit. Von hier aus können gleichzeitig 32 Sportarten live kommentiert werden – etwa Skispringen oder Curling.

Die Kommentatorinnen und Kommentatoren tragen Headsets, sehen die OBS-Feeds auf Monitoren und stehen über Intercom-Systeme mit Produktion und Tontechnik in Kontakt. Ein Knopfdruck – und sie sprechen mit der Regie. Ein anderer – und sie erreichen direkt das Audioteam.

Das System ist extrem flexibel: Ist ein Sprecher krank oder reist nicht mit, kann er sich per Audio-Codec, Telefon oder Videocall zuschalten – von überall auf der Welt. Das Signal wird in Stamford integriert und sendefertig gemacht.

  • 4.500 Audiokanäle, 20 Mischpulte, ein Ziel
  • Hinter den Kulissen läuft eine gigantische Audio-Infrastruktur.
  • Rund 4.500 Audiokanäle werden verarbeitet.
  • Etwa 20 reale und virtuelle Mischkonsolen sind gleichzeitig im Einsatz.
  • Zehn mobile Audio-Systeme wurden für die Spielstätten in Italien aufgebaut.

In jeder Disziplin werden Mikrofone vor Ort über sogenannte „Board-in-a-Box“-Systeme mit echten Vorverstärkern erfasst. Die Signale werden digitalisiert und in Echtzeit in die USA übertragen.

Von dort aus steuert das NBC-Team die Mischungen – inklusive Musik, Interviews, Studio-Talks und Einspielern. Alles wird zentral koordiniert und schließlich von Stamford aus ausgestrahlt.

Prime Time aus Mailand – gemischt in Connecticut

Besonders komplex ist die Primetime-Produktion. In Mailand befindet sich das International Broadcast Center (IBC). Dort stehen Studios mit Moderatoren und Gästen. Die Mikrofone laufen über Kamerasignale und Medienstreams nach Connecticut.

In Stamford sitzt Audioingenieur Rick Bernier an der Konsole und mischt die Sendung – inklusive Surround- und Atmos-Formaten.

Die Herausforderung: Latenz. Da zwischen Italien und den USA eine minimale Verzögerung besteht, müssen Verzögerungszeiten manuell ausgeglichen werden. Gleichzeitig wird das Monitoring der Moderatorinnen und Moderatoren über ein IP-basiertes System ferngesteuert – nahezu in Echtzeit.

  • Beim Ton setzen die Ingenieure auf cineastische Effekte:
  • Kratzende Schlittschuhe beim Eiskunstlauf eher frontlastig
  • Atmosphärische Sounds und Musik großzügig im Raum verteilt
  • Stimmen klar im Center-Kanal

So entsteht ein immersives Fernseherlebnis für Millionen Zuschauer.

Gold Zone: Wenn alles gleichzeitig passiert

Besonders dynamisch ist das Format „Gold Zone“ auf Peacock.

Hier springen die Produzenten in Sekundenschnelle zwischen Wettkämpfen. Steht irgendwo eine Medaille kurz vor der Entscheidung, wird sofort umgeschaltet. Das Team arbeitet mit bereits fertig gemischten Venue-Feeds und navigiert live durch das Geschehen – Hochgeschwindigkeits-Fernsehen.

Die Audio-Regien in Stamford sind dabei die letzte Kontrollinstanz vor der Ausstrahlung. Sie sind der finale „Listening Point“, bevor das Signal on air geht.

Planung beginnt vor dem Ende der Spiele

Die Produktion der Olympischen Spiele ist kein Projekt von wenigen Wochen.

Die Planung für Mailand begann, bevor die Spiele von Paris überhaupt beendet waren. Workflow-Optimierungen, technische Updates und Kommunikationsstrukturen werden über Jahre entwickelt.

Denn die logistische Herausforderung ist enorm: Teams arbeiten in Stamford, im IBC in Mailand und an zahlreichen Sportstätten in ganz Italien – teilweise mehrere Stunden voneinander entfernt.

Kommunikation ist deshalb der Schlüssel. Jede Entscheidung, jede Signalführung, jede Änderung muss minutiös abgestimmt werden.#

Olympia als „Once in a Lifetime Moment“

„Die Olympischen Spiele sind Momente fürs Leben“, sagt DiCrasenzo. Zwar finden sie alle zwei Jahre statt – Sommer- und Winterspiele im Wechsel – doch jedes Event ist einzigartig. Für NBC bedeutet das: Zwei Jahre Vorbereitung für wenige Wochen Ausnahmezustand.

Und während in Mailand noch Medaillen vergeben werden, denkt das Team in Connecticut bereits an die nächsten Spiele – und an Los Angeles. Denn eines ist sicher: Wenn es wieder heißt „Five, four, three, two, one …“, wird ein Großteil der Magie nicht im Stadion entstehen – sondern in einem unscheinbaren Gebäude in Stamford, Connecticut.

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