Wie entsteht eine Arena-Produktion, bei der ein einzelner Rapper eine große Bühne füllt – visuell wie akustisch? Beim Tourstopp von Bushido in Leipzig geben Lichtdesigner Peter Weist und FOH-Engineer Jonathan Wolff Einblick in ihre Arbeit.
Weist spricht über das industrielle Bühnenkonzept, modulare Touring-Elemente und eine vollständig getimecodete Lichtshow mit Pixel-Rig. Wolff erklärt, wie er mit Stems, Virtual Soundcheck und einem System von d&b audiotechnik dafür sorgt, dass auch bei massivem Bassdruck jedes Wort von Bushido verständlich bleibt.
Ein Rapper auf einer Arena-Bühne – das kann schnell verloren aussehen. Genau das wollte Peter Weist, Lichtdesigner der aktuellen Tour von Bushido, vermeiden. Seine Antwort: ein massives, industriell geprägtes Set, das nicht nur Fläche füllt, sondern Nähe erzeugt.
Peter Weist: „Ich wollte die Bühne füllen – und sie rough machen“
„Ich muss gestehen, ich wollte hauptsächlich die Bühne füllen“, sagt Peter Weist sehr offen. Ein einzelner Performer auf großer Bühne – das kann visuell auseinanderfallen. Also entstand die Idee eines großen, segmentierten Sets mit Stahlgittern, industriellem Look und klarer Kante.
Die Bühne läuft spitz ins Publikum zu. Zusätzlich ragen sogenannte „Finger“ in den Zuschauerraum. Weist beschreibt das als bewussten Bruch mit der klassischen Trennung von Bühne und Publikum. Der Künstler wollte näher dran sein – räumlich wie emotional.
Touring-Realität: Tortenstücke und Gabelstaplerlogik
Die Konstruktion besteht aus vormontierten Segmenten – intern „Tortenstücke“ genannt. Lampen sind direkt auf die Gitter montiert, alles ist so gebaut, dass es komplett mit dem Gabelstapler verladen werden kann. Aufbau oder Abbau in rund 30 Minuten, Kabel anschließen, fertig.
Was auf dem Papier simpel wirkt, war in der Umsetzung komplex. Gerade die über dem Publikum hängenden Kuben waren konstruktiv anspruchsvoll. Das Material wurde erhitzt und in Form gepresst – nicht verschraubt oder geklebt.
Weist betont, wie viele Kolleg:innen an der Umsetzung beteiligt waren. „Gemalt ist so ein Kubus schnell – gebaut eben nicht.“
77 Universen und eine klare Entscheidung für grandMA3
Lichtseitig fährt Weist ein Setup, das sich sehen lassen kann:
- Robe Forte im Dach
- Robe iSpiider als WashBeam
- Robe BMFL als Follow
- GLP JDC2, via NDI mit Video versorgt
- Robe Spiider als große Matrix
- ROXX Cluster-Blinder
- ACME Pixel Lines in den „Fingern“
Gefahren wird alles auf grandMA3. Weist ist vor drei Jahren umgestiegen – und sagt klar: zurück will er nicht. Die Show ist vollständig getimecoded. Während der Show greift er nur noch punktuell ein – etwa bei den Blindern. Der Rest läuft automatisiert.
Beeindruckend auch die schiere Größe dieses System, wenn man die Ansteuerung betrachtet: rund 77 Universen. Pixel-Modus bei X Bars, Spider und ACME Lines – das ist keine kleine Hausnummer.
Jonathan Wolff am FOH: Druck ja – aber bitte verständlich
Während Weist visuell auf „rough“ setzt, ist Jonathan Wolffs Job am FOH ein Balanceakt: maximaler Schalldruck und gleichzeitig klare Sprachverständlichkeit.
Die Setliste ist chronologisch aufgebaut – alte Tracks mit dreckigem Beat bis hin zu neueren Songs. Für Wolff ist klar: Der „dirty“ Charakter gehört dazu. Den will er nicht glattbügeln.
Eine Besonderheit: Soundcheck läuft überwiegend als Virtual Soundcheck. Die Shows werden multitrack mitgeschnitten und dienen als Grundlage für die nächste Venue – mit echtem Showpegel.
d&b-System, Array Processing und Studio-Denken in der Arena
Zum Einsatz kommt ein System von d&b audiotechnik:
- GSL als Mainhang
- KSL als Side-PA
- XSL als Sidefill/Delay
- A-Serie im Nahfeld
- Geflogene und gestackte Subs
Mit Array Processing erreicht das Team teilweise nur rund 2 dB Pegelunterschied zwischen vorderstem und hinterstem Publikumsbereich – und das bei über Distanzen von bis zu 100 Metern.
Am FOH arbeitet Wolff auf einer DiGiCo Quantum 225 mit redundanter Waves-Anbindung. Für ihn ist klar: Moderne Arenaproduktionen lassen sich heute fast wie im Studio mischen. Feedback-Probleme? Kaum noch Thema. Die Variablen liegen eher im Raum – manche Hallen klingen trockener, andere schwieriger.
Die Spielzeugeisenbahn am FOH
Und dann ist da noch etwas, das man in dieser Größenordnung nicht erwartet: eine kleine Spielzeugwelt am FOH.
Was mit einem Spielteppich begann, entwickelte sich über Matchbox-Autos und einen Spielzeugkran zu einer immer weiter wachsenden Installation. Kolleg:innen bringen neues Spielzeug mit, es wird ergänzt, erweitert, umgebaut. Eine kleine Eisenbahn am FOH ist mittlerweile Teil dieses Running Gags.
Veranstalter: Conzertbüro Zahlmann
Technische Durchführung: TSE AG







