von Max Geisenhainer
Mit der Avantis-Serie positionierte sich Allen & Heath schon vor einigen Jahren zwischen der preisgünstigen SQ-Serie und dem absoluten Profiwerkzeug dLive. Und gerade die Avantis (insbesondere die Solo) hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Arbeitstier und Preis-Leistungs-Sieger im Touring- und Corporate-Bereich entwickelt.
Seit einiger Zeit arbeite ich sehr regelmäßig und gern, ob am FOH oder Monitorplatz, mit der Avantis-Serie von Allen & Heath. Schon seit meinem Test und Anwenderbericht zur Avantis Solo im Jahr 2024 bin ich aufgrund der sehr hochwertigen Verarbeitung und der beinahe unbegrenzten Flexibilität im Workflow ein großer Fan des Pultsystems.
Nun schließt das vor einigen Wochen veröffentlichte Update V2.0 einige Lücken, die mir auch damals schon aufgefallen sind. Doch was hat sich denn nun durch das Update wirklich nennenswert geändert?
Mit nun 96 Input Channels wird die Avantis plötzlich auch für größere Festival-Setups oder komplexe Monitor-Situationen interessant. Auch ein kompletter digitaler Split für InEar-Mixe vom FOH aus ist nun durchaus denkbar. Die vorherigen 42 Mixbusse reichten für meine bisherigen Anwendungen aus. Allerdings kann ich mir andere Produktionen vorstellen, bei denen das Pult an seine Grenzen kommt, was die Ausspielwege angeht.
Mehr Komplexität möglich mit 56 Bussen
Durch die Erweiterung auf 56 Busse sind jetzt auch komplexe Monitor-Setups, zusätzliche Matrizen, Broadcast-Mixe und umfangreiche Kommunikationsstrukturen problemlos umsetzbar. Gerade im Touring-Alltag schafft das deutlich mehr Reserven. Dort, wo es mit 16 Dyn8-Instanzen schon manchmal eng wurde, kommt man künftig mit 24 Stück ein ganzes Stück weiter als zuvor.
Zudem kann nun auch die Avantis um das RackUltraFX-System erweitert werden, welches schon auf dem dLive-System für Begeisterung sorgt. Hierfür müssen zusätzlich zum Update auf V2.0 das dPack und ein RackUltra FX Modul installiert sein. Wer mit dem Gedanken an den Kauf einer Avantis oder Avantis Solo spielt, sollte sich auch unbedingt die neue Avantis Ultra Serie ansehen. Sie bietet von vornherein das Komplettpaket.
In acht UltraFX-Slots können nun unter anderem zusätzliche Hallräume, der Saturator und ein Live-Autotune genutzt werden. Gerade letzteres könnte vor allem im Pop- und Hip-Hop-Bereich sehr gut ankommen, da man sich hier nun meiner Meinung nach externe Plugins sparen kann.
Neues Feature: Smart Rotaries
Der Workflow ist sehr gut durchdacht und intuitiv, wie man es von Allen & Heath gewohnt ist. An den Features, die ich schon immer sehr zu schätzen wusste, wie das freie Userinterface, die individuell programmierbaren SoftKeys und das freie Strip Assign, hat sich also nichts geändert. Die individuellen Bedienungsmöglichkeiten wurden sogar um ein neues Feature ergänzt:
Hinzu kommen nun die „Smart Rotaries“, die entweder fest einstellbar sind, sich aber ebenso über einen SoftKey ein- und ausschalten lassen. Sie übernehmen automatisch Kernfunktionen, je nach dem, wo man sich gerade im Kanalzug befindet. Ist zum Beispiel der Kompressor ausgewählt, können über die drei Rotaries rechts neben dem Touchscreen nun Threshold, Ratio und Gain gesteuert werden. Im Equalizer steuert man damit Frequenz, Q und Gain des gewählten Bandes.
Die Integration von Shure- und Sennheiser Funksystemen war von Anfang an ein gern genutztes und vor allem praktisches Feature. Mit dem neuen Update sind die Avantis-Pulte nun auch mit Shure-SLX-D-Funkmikrofonen kompatibel. Und natürlich haben wir dann auch noch einen neuen Kompressor im Gepäck:
Zu den allseits beliebten Kompressor-Plugins, die wir bisher kannten, gesellt sich nun auch der „CompStortion“. Seit dem letzten größeren dLive-Update war meine Hoffnung groß, dass dieser es auch bald auf die Avantis schafft. Und da ist er nun. Wer ihn kennt, darf sich nun darüber freuen, ihn nun auch auf der Avantis nutzen zu können. Wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn dringend mal ausprobieren. Es ist nicht ohne Grund einer der typischen Klassiker für Snare und Vocals.

ABER: Ist die Avantis jetzt komplett?
Leider bleiben da noch zwei Wermutstropfen, die ich kritisch anmerken muss. Der behelfsmäßige Workaround, Subgruppen auf einen Input zu routen, um diesen dann in eine nächste Gruppe zu routen, funktioniert zwar gut, kostet aber unnötig Inputs und ist deutlich umständlicher, als das Busrouting upzudaten – insbesondere wenn man eh ein großes Softwareupdate bringt. Umso unverständlicher ist für mich, dass Allen & Heath das fehlende Bus-in-Bus-Routing weiterhin nicht adressiert. Denn auch in den User-Foren liest man schon lange davon, dass sich die Community dieses Feature wünscht.
Außerdem ist die oft bemängelte Trägheit des Pultes zumindest noch ein kleines Thema – wenn auch nicht mehr so gravierend wie zuvor. In meinem Eindruck ist das Umschalten der Layer etwas schneller geworden. Zu 100 % glücklich bin ich damit allerdings noch nicht. Gerade in stressigen Situationen fühlt es sich nicht so richtig gut an, das Layer zu wechseln und erst eine halbe Sekunde warten zu müssen, bis die Fader und der Screen mitkommen.
FAZIT
Alles in allem schließt Allen & Heath mit der Avantis V2.0 viele bisherige Lücken und positioniert das System noch klarer zwischen SQ und dLive. Und genau dort gehört die Avantis auch hin: leistungsstärker und professioneller als die SQ-Serie, gleichzeitig aber etwas kompakter und preislich attraktiver als eine dLive.
Für mich bleibt sie damit eines der spannendsten Digitalpulte ihrer Preisklasse und ein äußerst gelungenes Bindeglied zwischen den beiden Systemwelten. Trotz kleinerer Schwächen wird die Avantis V2.0 den Anforderungen im Touring- und Live-Alltag definitiv gerecht.
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