Die Beschallung einer live im Fernsehen übertragenen Castingshow zählt zu einer der anspruchsvollsten Aufgaben in der Veranstaltungstechnik:
Saal- und Sendeton müssen gleichermaßen funktionieren, die Technik darf im Kamerabild nicht sichtbar werden, und im Studio soll trotz aller Restriktionen eine echte Live-Atmosphäre entstehen. Für eine große Studioproduktion im Coloneum in Köln mit rund 1.300 Personen im Publikum entwickelte dBTechnologies, in Zusammenarbeit mit den MMC Studios, ein durchgängig geflogenes Beschallungskonzept auf Basis der VIO-Serie, das diese gegensätzlichen Anforderungen in einem einzigen, homogenen Systemdesign zusammenführt.
Das Studio in Köln bietet 1.315 Zuschauerplätze. Zu den Rahmenbedingungen der Produktion gehörten eine zeitweise live spielende Band, der parallele Einsatz von Headset- und Handmikrofonen sowie dauerhaft offene Jury-Mikrofone. Gleichzeitig galt: keine im Kamerabild sichtbaren Lautsprecher, keine Subwoofer oder Monitorboxen am Boden – und dennoch ein druckvoller, gleichmäßig verteilter Klang über alle Ränge hinweg.
Technisches Konzept und Systemarchitektur
„Bei einer TV-Produktion arbeiten wir mit mehreren Restriktionen gleichzeitig – Sichtlinien, Schattenwurf, die Trennung von Sendeton und Saalbeschallung und vor allem ein hohes „Gain before Feedback“ bei permanent offenen Mikrofonen“, erklärt Jochen Gotzen, Technical Director bei dBTechnologies. Jens Szczygieleski, von Atlive, die das Projekt federführend umsetzten, ergänzt: „Der durchgängig identische akustische Charakter der VIO-Serie war hier der entscheidende Vorteil: Wir konnten verschiedene Systemtypen frei kombinieren, ohne klangliche Brüche zu erzeugen, und haben das gesamte Setup konsequent geflogen, um den Boden frei zu halten und die Technik aus dem Kamerabild zu nehmen.“
Die verschiedenen Systeme wurden für die Produktion aus dem VIO Rental Network bezogen. Die Hauptbeschallung übernahmen 24x VIO L1610 Line-Array-Module in drei Arrays. Für die Versorgung von Parkett und Randzonen kamen 26x VIO L1608 in sechs kurzen Arrays hinzu, ergänzt um 4x VIO X310 als Point-Source-Systeme und 4x VIO X205 als Delay-Linien. Auf der Bühne sorgten 6x VIO W12 für das Monitoring. Die Auslegung und Ausrichtung sämtlicher Systeme erfolgte vorab, seitens der MMC durch Martin Antulov und Marius Dimke, in EASE Focus, sodass Abdeckung, Pegelverteilung und Frequenzgang über alle Publikumsbereiche bereits in der Simulation aufeinander abgestimmt werden konnten.
„Unser Ziel war es, jedem Besucher, unabhängig von seinem Platz, ein gleichbleibend hochwertiges Klangerlebnis zu bieten. Dank der sorgfältigen Systemplanung und der Möglichkeiten von EASE Focus konnten wir die Beschallung bereits vor dem Aufbau präzise auf die Gegebenheiten abstimmen. Es ist immer erfreulich zu sehen, wenn sich die Arbeit aus der Simulation später in einer so homogenen und transparenten Klangwiedergabe widerspiegelt.“, so Antulov und Dimke.
Tiefton als akustische Nulllinie
Das Herzstück des Konzepts bildete der Tieftonbereich. Da Subwoofer am Boden ausgeschlossen waren, wurde ein zentrales, geflogenes Sub-Cluster aus 8 VIO S118 realisiert – bogenförmig (Arc) angeordnet und je nach Position symmetrisch oder asymmetrisch konfiguriert, um die Tieftonenergie gezielt auf das Publikum zu richten.
„Der Sub ist bei uns die Null“, so Gotzen. „Wir haben das geflogene Sub-Cluster als akustische Nulllinie definiert und alle übrigen Systeme zeitlich und phasenrichtig darauf abgestimmt. Mit dem passenden Crossover liegt damit das gesamte System in Phase. Das Ergebnis ist eine spürbar verbesserte Ortung und ein deutlich höheres „Gain before Feedback“ – genau das, was man bei dauerhaft offenen Jury-Mikrofonen und einem aktiven Saal braucht.“
Steuerung und Monitoring über Aurora Net
Sämtliche Systeme sind netzwerkbasiert über Aurora Net angebunden und durch ein redundantes A2Net angesteuert. Da alle VIO-Systeme aktiv arbeiten und über einen eigenen DSP verfügen, entfällt eine externe Prozessor- oder Matrix-Ebene – signalseitig war lediglich das Routing zu realisieren. In Aurora Net ließen sich alle Lautsprecher einzeln darstellen, in Gruppen nach Rängen zusammenfassen sowie in Delay und Frequenzgang feinjustieren und durchgängig überwachen.
„Alle Lautsprecher hängen am Netzwerk, jeder hat seinen eigenen DSP, und die Phasenlage innerhalb der VIO-Familie ist identisch“, ergänzt Szczygieleski. „Dadurch werden die Übergänge zwischen Hauptsystem, Parkett, Delays und Outfills sehr sauber – für die Studiogäste entsteht der Eindruck einer einzigen, geschlossenen Schallquelle, obwohl im Raum eine Vielzahl von Systemen arbeitet.“
„Als FOH-Ingenieure schätzen wir an diesem System vor allem die Kombination aus Kontrolle und Konsistenz. Besonders bei einer Live-TV-Show, bei der es keine zweite Chance gibt, gibt uns das die Sicherheit, dass das System exakt so arbeitet wie geplant,“ betonen Martin Antulov und Marius Dimke.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie sich auch unter den engen Vorgaben einer Live-TV-Produktion eine homogene, leistungsfähige Beschallung umsetzen lässt: durch eine genaue Analyse der Anforderungen, die passende Systemauswahl und Positionierung, mehrere Simulationsdurchläufe sowie ein sauberes Einmessen vor Ort. Entscheidend bleibt, das akustische Ziel über den gesamten Prozess hinweg konsequent im Blick zu behalten.
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(Quelle: Pressemitteilung)







