Im Mothergrid Studio begrüßte Markus Wilmsmann Roman Surber von der SPL Cloud GmbH, der sich seit vielen Jahren mit einem Thema beschäftigt, das für Veranstaltungen immer wichtiger wird: der professionellen Schallpegelüberwachung.
Roman Surber von der SPL Cloud GmbH aus der Schweiz entwickelt Systeme zur Messung, Überwachung und Dokumentation von Schallpegeln bei Veranstaltungen. Was früher häufig nur eine formale Auflage war, hat sich heute zu einem zentralen Bestandteil moderner Eventproduktion entwickelt. Mit zertifizierter Messtechnik, cloudbasierter Datenspeicherung, Remote-Monitoring und intelligenter Vernetzung verfolgt das Unternehmen einen Ansatz, der klassische Akustikmessung mit moderner IoT-Technologie verbindet.
Schallpegelüberwachung imWandel
Grundsätzlich ist die Schallpegelüberwachung kein neues Thema. Seit vielen Jahren geht es dabei vor allem um zwei zentrale Aspekte: den Schutz der Besucherinnen und Besucher einer Veranstaltung sowie den Schutz der Anwohner vor übermäßiger Lärmbelastung. Doch die Rahmenbedingungen haben sich deutlich verändert. Veranstaltungen sind zahlreicher geworden, Festivals dauern länger und finden oft dichter an Wohngebieten statt. Gleichzeitig haben sich auch die technischen Möglichkeiten der Beschallung stark weiterentwickelt. Selbst kleinere Events verfügen heute über leistungsfähige Lautsprechersysteme, die hohe Pegel erzeugen können. Dadurch wächst zwangsläufig auch das Konfliktpotenzial zwischen Veranstaltern, Behörden und Anwohnern. Professionelle Schallpegelüberwachung wird deshalb zunehmend als wichtiges Instrument gesehen, um Transparenz zu schaffen und Konflikte zu vermeiden.
„Wer misst, misst Mist.“
Der Unterschied zwischen einem einfachen Messgerät und einem professionellen Monitoring-System liegt dabei nicht nur in der Genauigkeit der Messung, sondern vor allem in der Qualität der gesamten Datenverarbeitung. In der Branche kursiert ein Sprichwort: „Wer misst, misst Mist.“ Dahinter steckt die Erkenntnis, dass Messdaten nur dann wirklich aussagekräftig sind, wenn sie mit präziser Technik erfasst und anschließend korrekt verarbeitet und interpretiert werden. Genau hier setzen moderne Systeme an. Neben der eigentlichen Messung spielt heute auch die Verwaltung, Analyse und Dokumentation der Daten eine zentrale Rolle. Veranstalter, Techniker und Behörden müssen jederzeit nachvollziehen können, welche Pegel an welchen Punkten gemessen wurden.
IoT-Lösung
Die Systeme der SPL Cloud GmbH sind deshalb als moderne IoT-Lösung konzipiert. Ein entscheidendes Merkmal ist, dass sich das komplette Messgerät direkt im Sensor befindet. Anders als bei klassischen Messsystemen, bei denen Sensor und Messhardware getrennt sind, enthält der Sensor bereits die gesamte Messtechnik. Er liefert fertige Messdaten und kann zusätzlich auch ein Audiosignal über USB ausgeben. Für einen einzelnen Techniker, der den Sensor an seinen Laptop anschließt und mit der Software SPL Sense arbeitet, spielt diese komplexe Architektur zunächst kaum eine Rolle. Für ihn wirkt das System schlicht wie ein präzises akustisches Messgerät, das sofort einsatzbereit ist und zuverlässig Pegelwerte liefert. Es sei aber erwähnt das ein einzelner Techniker ebenfalls von der Struktur profitiert. Er kann das USB Audio parallel in einer Audiosoftware aufzeichnen oder das USB Audio für Smart, Systune usw. nutzen.
Die eigentliche Stärke der Technologie zeigt sich jedoch, sobald mehrere Messpunkte gleichzeitig im Einsatz sind. Bei einem Festival können beispielsweise ein Dutzend Messsensoren an verschiedenen Positionen installiert werden – etwa am FOH-Platz, in Publikumsbereichen oder an sensiblen Punkten in der Umgebung. In diesem Moment verwandelt sich das System in ein vernetztes Monitoring-Netzwerk. Die Sensoren kommunizieren über das Internet mit der zentralen Cloud-Plattform des Unternehmens. Dort werden alle Daten zusammengeführt, gespeichert und in Echtzeit ausgewertet. Techniker und Veranstalter erhalten so einen umfassenden Überblick über die akustische Situation auf dem gesamten Gelände.
Lückenlose Dokumentation
Diese Vernetzung eröffnet neue Möglichkeiten für das Monitoring von Veranstaltungen. Pegelverläufe können live verfolgt werden, Grenzwertüberschreitungen werden sofort sichtbar und sämtliche Messwerte werden automatisch dokumentiert. Gerade im Dialog mit Behörden oder Anwohnern ist diese lückenlose Dokumentation entscheidend. Nur wenn Messungen vollständig nachvollziehbar sind, lassen sich Diskussionen über mögliche Lärmbelastungen objektiv führen. Moderne Systeme liefern damit nicht nur Messdaten, sondern auch die Grundlage für Transparenz und Vertrauen.
REST-API
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Plattform ist die Möglichkeit, Messdaten in andere IT-Systeme zu integrieren. Dafür stellt das Unternehmen eine REST-API zur Verfügung – eine standardisierte und weit verbreitete Methode für den Datenaustausch zwischen verschiedenen Softwarelösungen. Über diese Schnittstelle können externe Kundensysteme automatisch auf die akustischen Messdaten zugreifen. Dadurch lassen sich die Daten nahtlos in übergeordnete Monitoring- oder Managementsysteme integrieren. Während in vielen IoT-Anwendungen über das Internet beispielsweise Temperaturen, Energieverbräuche oder Standortdaten übertragen werden, handelt es sich in diesem Fall um vernetzte akustische Messdaten. Die Schallpegelüberwachung wird damit Teil einer größeren digitalen Infrastruktur.
Dokumentationspflicht
Interessanterweise entstehen die größten Herausforderungen bei Veranstaltungen nicht unbedingt bei der eigentlichen Messung. Der entscheidende Schritt ist zunächst die korrekte Positionierung der Sensoren und das fachgerechte Einmessen des Systems. Es sei darauf hingewiesen das hierbei lückenlos Dokumtentier werden muss. Es geht um die Punkte Relevante Lautsprecher – lautester Punkt im Publikum – Position des Sensor – Offset vom lautesten Punkt im Publikum zum Sensor in dB. Auch die entsprechenden Positionen / Distanzen müssen nachvollziehbar sein.Ist dieser Teil erledigt, rückt ein anderes Thema in den Vordergrund: die Interpretation der Daten. Gerade im Zusammenspiel mit Behörden oder Veranstaltern muss klar definiert sein, welche Grenzwerte gelten und wie Messwerte korrekt bewertet werden. Eine präzise und transparente Dokumentation ist deshalb unverzichtbar.
Auflage oder praktischer Nutzen?
Auch am FOH-Platz, dem Arbeitsplatz der Tontechniker, wird ein Schallpegelmesssystem unterschiedlich wahrgenommen. Manche Techniker betrachten es noch immer als zusätzliche Auflage, die den kreativen Spielraum einschränkt. Andere erkennen zunehmend den praktischen Nutzen. Ein professionelles Monitoring kann nämlich auch eine Art Absicherung für den Tontechniker sein. Die aufgezeichneten Daten belegen im Nachhinein eindeutig, dass die vorgegebenen Grenzwerte eingehalten wurden und dass keine gesundheitsschädlichen Pegel aufgetreten sind. In diesem Sinne ist die Messung nicht nur Kontrolle, sondern auch eine Form der Dokumentation und Absicherung für alle Beteiligten.
Simulationen im Vorfeld
Parallel dazu beschäftigen sich auch Hersteller von Beschallungssystemen immer stärker mit dem Thema. Moderne Lautsprechersysteme ermöglichen bereits heute sehr präzise Simulationen der Schallverteilung über ein Veranstaltungsgelände. Ziel ist eine möglichst gleichmäßige Lautstärkeverteilung für das Publikum bei gleichzeitig minimaler Belastung der Umgebung. Direkte Schnittstellen zwischen Lautsprechersystemen und externen Messplattformen sind zwar noch nicht weit verbreitet, könnten aber in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.
Vernetzte Lösung
Mit seiner Plattform verfolgt SPL Cloud deshalb einen Ansatz, der klassische Akustikmessung mit digitaler Vernetzung kombiniert. Das System verbindet präzise Messtechnik mit Cloud-Technologie, IoT-Sensoren und offenen Schnittstellen für andere Softwarelösungen. Dadurch wird Schallpegelüberwachung von einem einzelnen Messgerät zu einem vernetzten Monitoring-System für Veranstaltungen.
Gerade bei großen Festivals oder komplexen Eventproduktionen zeigt sich, wie wertvoll ein solcher Ansatz sein kann. Wenn mehrere Sensoren gleichzeitig Daten liefern, entsteht ein detailliertes akustisches Gesamtbild der Veranstaltung. Diese Daten können live überwacht, später ausgewertet und langfristig dokumentiert werden. In einer Zeit, in der Veranstaltungen immer stärker reguliert werden und gleichzeitig immer größer werden, wird professionelle Schallpegelüberwachung damit zu einem festen Bestandteil moderner Eventtechnik.
Am Ende geht es dabei nicht nur um Technik, sondern um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen lautem Live-Erlebnis und Rücksicht auf die Umgebung. Moderne IoT-Systeme helfen dabei, genau dieses Gleichgewicht zu finden – mit präzisen Messungen, transparenten Daten und einer Infrastruktur, die Sound messbar und nachvollziehbar macht.
Links zum Thema:
- Hersteller: spl.swiss
- Vertrieb: www.babbel-haeger.de





