Auf der LeaT con diskutierte ein von Markus Wilmsmann moderiertes Panel die Zukunft der Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik – und stellte eine unbequeme Frage: Hält das duale System noch Schritt mit einer Branche im Dauer-Upgrade?
Die Ausbildung existiert seit 1997, zuletzt reformiert 2016. Doch IP-Netzwerke, digitale Signalverteilung und softwarebasierte Workflows prägen längst den Produktionsalltag. Der Lehrplan liefert solide Grundlagen – entscheidend ist jedoch, wie konsequent Betriebe und Berufsschulen sie umsetzen. Genau hier zeigen sich Schwächen.
Viele Azubis starten mit großen Erwartungen: FOH, Lichtdesign, Touring. Die Realität: LKW entladen, Cases schieben, Traversen bauen. Einzelne Betriebe nutzen Auszubildende eher als Arbeitskraft statt als Nachwuchs. Fehlende Struktur, Überstunden und mangelnde Rotation durch Gewerke sind keine Ausnahme. Gleichzeitig variieren Ausstattung und Ressourcen der 22 Berufsschulen bundesweit deutlich. Kontrolle? Oft zu spät.
Kontrovers diskutiert wurde die Spezialisierung. Mehr Fokus auf Ton oder Licht nach einer soliden Grundausbildung? Oder lieber die bewährte Breite erhalten, die Verantwortungsbewusstsein für Sicherheit, Statik und Gesamtzusammenhänge schafft? Klar ist: Die Branche braucht beides – Tiefe und Überblick.
Der Corona-Effekt verschärft die Lage. Viele Fachkräfte haben die Branche verlassen, Nachwuchs wird dringend gebraucht. Das erhöht den Druck auf das Ausbildungssystem – und eröffnet Chancen für motivierte Talente. Denkbar sind neue Modelle: anspruchsvollere Inhalte, ergänzt durch praxisorientierte Varianten mit niedrigerer Zugangshürde.
Trotz aller Kritik bleibt der Tenor optimistisch. Die Fachkraft für Veranstaltungstechnik ist ein hochmoderner, vielseitiger Beruf mit echten Karriereperspektiven. Doch 2026 markiert einen Wendepunkt: Qualitätssicherung stärken, Schule und Betrieb enger verzahnen, Ausbildung konsequent weiterentwickeln.
Denn am Ende gilt: Ohne starke Ausbildung kein Nachwuchs. Ohne Nachwuchs keine Shows.
Teilnehmerliste:
- Markus Wilmsmann (Chefredakteur mothergrid)
- Robin Schulz (ehemaliger Azubi)
- Kai Grumpe (Berufsschullehrer)
- Mike Rauchfleisch (Unternehmer und Ausbilder)
- Gerhard Schwenkert (Berufsschullehrer)






