Der französische Rapper Tiakola zählt zu den prägenden jungen Künstlern seines Landes und erreicht mit seinem melodischen Rapstil ein breites Publikum.
Für die visuelle Gestaltung einer aktuellen Tour verfolgte das Kreativteam das Ziel, eine Bühnenumgebung zu entwickeln, die sich im Verlauf der Show kontinuierlich verändert. Im Zentrum dieses Konzepts stand das Naostage K SYSTEM – ein beaconloses Tracking-Ökosystem, das es ermöglicht, Licht-, Video- und Automationskomponenten in Echtzeit an die Performance des Künstlers sowie an die Bühnenarchitektur anzupassen.
Für Szenografie und Lichtdesign zeichneten Julien Peyrache und Michaёl Berzon von ALIEN le studio verantwortlich, die von Nonstop Productions in das Projekt eingebunden wurden. In enger Abstimmung mit den Produzenten Morgan Antonutti und Marie-Sandrine Martin entstand die Idee einer dynamischen Bühne, auf der sich Künstler, Musiker und szenografische Elemente frei bewegen können.
Das Bühnenkonzept
Das Bühnenkonzept umfasste motorisierte Podeste für Musiker, hängende Lichtstrukturen, eine automatisierte LED-Wand sowie eine speziell gefertigte, spiegelverkleidete Kugel als zentrales Element der Eröffnungssequenz. Angesichts der Vielzahl beweglicher Komponenten war ein Tracking-System erforderlich, das eine präzise räumliche Erfassung über die gesamte Hauptbühne (8 x 22 Meter) und die zusätzliche B-Stage (4 x 11 Meter) gewährleistet. Zum Einsatz kamen zwei KAPTA-Tracking-Sensoren, die in der Traversenstruktur installiert wurden.
„Wir hatten Naostage bereits länger im Blick, aber der entscheidende Moment war eine Live-Demonstration beim Poupet Festival“, erklärt Peyrache. „Die Flexibilität des Systems hat uns überzeugt, da es sich in unterschiedliche Setups integrieren lässt und damit Teil des kreativen Prozesses werden kann.“
Naostage K SYSTEM
Das Naostage K SYSTEM basiert auf drei Komponenten: dem KAPTA-Tracking-Sensor, dem KORE AI Processing-Server und der KRATOS-Steuersoftware. Gemeinsam bilden sie eine Plattform, die Performer direkt auf der Bühne identifiziert – ohne den Einsatz von Sendern oder Markern. Stattdessen kommen Kameras und KI-basierte Auswertung zum Einsatz.
Die über der Bühne installierten KAPTA-Sensoren nutzen sichtbares Licht, Infrarot- und Wärmesensorik, um ein dreidimensionales Abbild des Bühnenraums in Echtzeit zu erzeugen. Die Daten werden an den KORE-Server übertragen und dort mittels KI-Algorithmen verarbeitet, um Position, Bewegung und Geschwindigkeit der Performer zu bestimmen. Die gewonnenen Positionsdaten werden anschließend über Protokolle wie PosiStageNet (PSN), OSC und Art-Net an externe Show-Systeme weitergegeben.

Für die Tiakola-Tour wurden fünf Performer sowie sechs maschinelle Tracking-Ziele für automatisierte Bühnenelemente erfasst. Insgesamt kamen 23 PSN-Tracker zum Einsatz, die Licht- und Videoinhalte in Echtzeit steuerten.
Im Verlauf der Produktion entwickelte sich das Tracking-System von einem Werkzeug für Followspot-Anwendungen zu einer zentralen Steuerinstanz. „Es wurde zum Kern eines vernetzten 3D-Systems“, so Peyrache. „Wir haben nicht nur Performer, sondern die gesamte Bühnenarchitektur erfasst.“
PSN Toolbox
Zur Verarbeitung der umfangreichen Positionsdaten wurde die Carrot Industries PSN Toolbox in den Workflow integriert. Die Einbindung erfolgte durch Lichtoperator und Entwickler Jérémy Dufeux. Die Software fungierte als zentrale Schnittstelle zwischen dem Naostage-System, einer Raynok-Automationslösung sowie den Steuerplattformen für Licht und Video.
Die PSN Toolbox bündelte Tracking-Daten von Naostage und Positionsinformationen aus dem Raynok-System, das unter anderem die LED-Wand, die Spiegelkugel, Musikerpodeste und Lichtstrukturen steuerte. Anschließend wurden die Daten zusammengeführt und in aufbereiteter Form an die grandMA3-Lichtsteuerung sowie den SMODE-Mediaserver übertragen.
Kalibrierung
Die Kalibrierung erforderte eine präzise Abstimmung zwischen realer Bühne und virtueller Darstellung in der Lichtsteuerung. „Wir haben sechs Referenzpunkte auf der Bühne definiert und deren exakte Koordinaten im System hinterlegt“, erläutert Berzon. „So konnte die virtuelle Umgebung exakt an den realen Raum angepasst werden.“
Insgesamt wurden mehr als 120 Scheinwerfer individuell in das Tracking-System integriert – die bislang höchste Anzahl innerhalb eines einzelnen Projekts mit dem K SYSTEM. Dazu gehörten unter anderem 108 Starway Baracca 360 Geräte sowie weitere Scheinwerfer von Chauvet und Robe, verteilt auf Bühne und bewegliche Elemente.
Das Tracking-Netzwerk eröffnete zudem neue kreative Ansätze für die Interaktion von Licht und Video. Durch die Anbindung an den SMODE-Mediaserver konnten generative Videoinhalte erstellt werden, die der Bewegung des Künstlers folgen.
„Wir haben einen virtuellen Licht-Halo programmiert, der sich in Echtzeit hinter Tiakola bewegt“, erklärt Peyrache. „Bewegt er sich über die Bühne, folgt das visuelle Element exakt seiner Position und verbindet physische und digitale Ebenen.“
Die Crew
An der Umsetzung waren mehrere spezialisierte Teams beteiligt: RCube übernahm die technische Leitung, AIM Motion fungierte als technischer Dienstleister. Der Bühnenbau lag bei Eddy May und Fer & Défaire, die Automation wurde von Mash betreut. Für die Medieninhalte waren Les Vandales verantwortlich, während Pixel Priority gemeinsam mit Romain Fior und Romain Delaplace den SMODE-Betrieb übernahm. Die Lichtsteuerung lag bei Loris Illouz, die Systemsteuerung des Naostage-Setups bei Corentin Courcoux.
Für Peyrache liegt der Erfolg der Produktion in der Verbindung von Technik und Gestaltung: „Entscheidend war, dass die Technologie im Hintergrund bleibt. Trotz der komplexen Datenverarbeitung erlebt das Publikum eine Bühne, auf der Licht, Bewegung und Performance nahtlos ineinandergreifen.“
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(Quelle: Pressemitteilung)





