Hinter den Kulissen der Robbie-Williams-Tour: Präzision auf Stadionniveau

Ein Stadionkonzert von Robbie Williams ist nicht nur eine Show, sondern ein logistisches und technisches Großprojekt. In der aktuellen Tourproduktion greifen Licht, Audio und Video in einer Präzision ineinander, die nur durch minutiöse Planung und fein abgestimmte Kommunikation im gesamten Team möglich wird.

Lichtdesign zwischen Ästhetik und Kontrolle

Lighting Director Glenn Johnson verantwortet die Programmierung und das Showdesign im Auftrag von Lighting Designer Paul Normandale und Creative Director Kim Gavin. Zum Einsatz kommen über 620 Leuchten, überwiegend von Ayrton, ergänzt durch einige Martin Professional– und Chauvet-Fixtures.

Die Signale laufen über ein zehn Gigabit starkes, redundantes Luminex-Netzwerk, das Haupt-, B- und C-Stage sowie alle Dimmerpositionen miteinander verbindet. Die Show wird fast vollständig per Timecode gefahren – etwa 80 % der Songs sind exakt synchronisiert, während die Band bei den Enden Freiraum für spontane Übergänge behält.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Farbkalibrierung der Beleuchtung: Da parallel ein aufwendig produzierter Konzertfilm entsteht, wird das gesamte Lichtsystem auf eine konstante Farbtemperatur von 5.600 K abgestimmt. Johnson spricht von einem „Balance-Job“ zwischen künstlerischer Gestaltung und kameratechnischen Anforderungen – gerade in der sensiblen Dämmerungsphase, wenn das Tageslicht wechselt.

Farbkorrektur in Echtzeit

Für die Bildbearbeitung in Echtzeit sorgt Colorist Richard Turner, der sämtliche Kamerasignale im Log-Format erhält, farblich anpasst und über LiveGrade und disguise mit dem Content kombiniert. Acht Panasonic-Systemkameras, sechs Blackmagic-G2-S sowie eine Sony Alpha auf Gimbal liefern die Aufnahmen, verbunden über ein flächendeckendes Stage Racer-Fiber-System.

Damit das Bild auch bei wechselnden Lichtverhältnissen konsistent bleibt, werden LUTs (Look-Up Tables) und Farbprofile live angepasst. Turner beschreibt seine Arbeit als ständiges Austarieren von Hauttönen, Kostümfarben und Bühnenlicht – unter Bedingungen, die er selbst als „das schlechteste Grading-Environment überhaupt“ bezeichnet, da Sonne, Wind und Wolken ständig Einfluss nehmen.

Audio: Präzision am Front of House

Am Front of House arbeitet Joe Harling an einer DiGiCo Quantum 338, gespeist von rund hundert Inputs. Über eine Kombination aus Optocore-Loop, Lake-Processing und Rupert Neve DIs entsteht ein transparenter, druckvoller Mix.

Besonders der Lead-Vocal-Sound – übertragen über Audio-Technica AEW 6100-Serie – wird mit dezenten analogen Kompressoren wie UBK Fatso und Tube-Tech CL 1B geformt. Harling beschreibt den Sound als klar und direkt, ganz im Stil von Robbie Williams’ Studioproduktionen: „Es ist kein halliger, sondern ein sehr trockener, intimer Sound, der trotzdem groß wirkt.“

Im Drum-Setup kommen u. a. Earthworks DM20 an den Toms, DPA 2011 an den Becken und Alien Smith Capsule 8S als Kick-Out-Mikros zum Einsatz – eine Mischung aus bewährtem Standard und kreativen Eigenlösungen.

Monitormix als Teamarbeit

Monitor Engineer Daniel Kent nutzt ein vollständig digital integriertes System auf DiGiCo-Basis mit Wisycom– und Shure-Funkstrecken, unterstützt durch Cedar-Noise-Processing und Furia-Reverbs. Über 60 Beltpacks versorgen Band, Tänzer:innen und Techniker:innen mit individuellen In-Ear-Mixes.

Die Feineinstellungen entstehen während intensiver Probenphasen, in denen jede:r Musiker:in und Performer:in aktiv mitarbeitet. Kent beschreibt die Arbeit als „kollektiven Prozess“, bei dem technische Präzision und musikalisches Feingefühl Hand in Hand gehen.

Technik, Teamwork und Timing

Das Resultat ist eine perfekt orchestrierte Liveproduktion, bei der jedes Detail zählt: vom Color-Grading über Netzwerkrouting bis zur letzten Spur im Zeitcode. Robbie Williams steht im Rampenlicht – doch hinter den Kulissen sorgt ein eingespieltes Technikteam dafür, dass jede Sekunde sitzt.

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