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Lichtvor 4 Wochen

Nook Schoenfelds Stories (4): Moment, da ist noch mehr Budget?

Nook Schoenfeld ist Lichtdesigner und Geschichtenerzähler mit Erfahrung. In seinen Jahren als LD erlebte er so einiges – darunter auch großzügige Manager!

Hin und wieder passiert ein seltenes Ereignis. Hin und wieder sagt der Manager einer Band zu mir: „Weißt du, Nook, ich habe noch ein bisschen was über vom Budget, meinst du wir könnten noch irgendwas gebrauchen?


Dieser seltene Satz ist wirklich Musik in meinen Ohren, denn es gibt immer irgendeine Kleinigkeit, ein i-Tüpfelchen, das ich gerne zu der Produktion hinzufügen würde. Aber welcher Manager will schon in mehr Equipment investieren, wenn er stattdessen den eigenen Geldbeutel vollstopfen kann? Nicht viele, aber hin und wieder hat man Glück.

Jahrelang habe ich jeden Sommer ein Wanderfestival namens „Mayhem“ gearbeitet. Auf dieser Tournee traten auf mehreren Bühnen Heavy-Metal-Bands auf. Dieses System funktionierte recht gut, bis die Headliner beschlossen, dass sie die Beleuchtung selbst gestalten wollten, was zu Kostenüberschreitungen und internen Streitigkeiten zwischen den Acts darüber führte, was sie in der ihnen zugewiesenen Umbauphase auf die Bühne bringen konnten. Nach und nach raubte das dem Festival den gesamten Spaß, aber es war immerhin eine gute Show und als Designer habe ich mein Bestes getan, alle irgendwie doch noch glücklich zu machen… das war mein Job.

Ich habe dieses Festival aber auch gerne als meine eigene kleine Kreisliga genutzt, um junge Talente zu treffen, die vielleicht eine helfende Hand bei ihrer Produktion brauchten. Ich kümmerte mich dann gerne um ihre Lichter – in der Hoffnung, dass sie sich an mich erinnern würden, wenn sie mit ihrem nächsten Album als Headliner in die Arenen gehen würden. Das hat fast immer funktioniert.

Öltürme im Sandkasten

Vor zehn Jahren war Korn der Headliner der Mayhem Festival Tour. Es war die dritte Mayhem-Tour und mittlerweile hatten wir gelernt, wie man viele Bands dazu bringt, gut zusammenzuspielen. Einer der ersten Gigs der Tour war im Shoreline Amphitheater außerhalb von San Jose, Kalifornien. Dieser Gig macht meistens Spaß, die Crew vor Ort ist großartig, aber die Bühne ist einfach zu klein. Das Dach ähnelt einem Zirkuszelt, der Backstage-Bereich ist winzig und wir haben viel zu viel Zeug, da jede Band ihr eigenes Set hat. Zum Beispiel hat sogar die vierte Band auf der Liste (Five Finger Death Punch) einen Drum Riser, der auf bodengestützten Liften 3 Meter in die Höhe fahren kann. Sie waren in der Lage, diesen Riser in sechs Minuten auszuladen, also durften sie diesen von uns aus mitnehmen.

Aber die sechs Meter hohen Öltürme, die für Korns Set aufgebaut wurden, waren eine ganz andere Geschichte! Jim Lenahan hatte das Set entworfen und es war wirklich cool. Es sollte die brennenden Ölfelder darstellen, durch die die angreifende US-Armee vor kurzem in Kuwait durchgerollt war. Die pyramidenförmigen „Bohrtürme“ waren aus 12″-Traversen und anderen Metallteilen gebaut. Strictly FX haben auch dafür gesorgt, dass aus dem Loch und Spalt dieser Konstruktion Flammen hervorschossen. Die Türme sahen zwar fantastisch aus, aber der tägliche Zusammenbau dauerte Stunden. Toller Entwurf, aber schlechte Ausführung. Außerdem nahm diese Kulisse eine Menge Platz auf der Bühne ein, so dass sie nur schwer zu verbergen war, während die anderen Acts davor spielten. Wenn es zwei Dinge gibt, die wir bei dieser um 18 Uhr beginnenden Show nicht hatten, dann waren es Zeit und Platz.

Dem Manager der Band gefiel das Set und er erkannte, dass die Band jeden Abend einen anständige Summe verdiente, ohne dabei für die Mietkosten für Licht und Ton aufkommen zu müssen. Also boten sie ihrem LD ein größeres Budget für zusätzliche Beleuchtung an, die die Band aussschließlich für ihr Set nutzen konnte. Sie hatten wirklich vor, diese Öltürme mit zusätzlichen Scheinwerfern auszustatten, aber ich mischte mich in diese Diskussion ein.

– Schön für euch, dass ihr all diese zusätzlichen Leuchten zu eurer Produktion hinzufügen wollt. Wer soll aber den ganzen Kram für Sie aufbauen?
– Die Beleuchtungscrew natürlich.
– Ich glaube da würden sie gerne ein Wörtchen mitreden. Wenn du all diese Lichter mieten kannst, kannst du dir auch ein Crewmitglied leisten, der sich um sie kümmert.
– Stimmt schon, aber leider haben wir keinen Platz mehr im Bus…
– Die andere Möglichkeit ist, dass du zusätzliche 100 Dollar pro Nacht für die Beleuchtungscrew aufbringst, damit sie deine zusätzlichen Lichter aufstellen können, anstatt ihren Mittagsschlaf zu halten.
– Damit bin ich einverstanden.

Wie tief sind die Taschen?

Ich hatte nicht erwartet, dass ich gleich in der ersten Runde so leicht gewinnen würde. Wer war dieser Typ? Ich musste einfach herausfinden, wie tief seine Taschen waren.

– Hör mal, ich hab das Gefühl, dass du die Show gerne ausbauen würdest und die Mittel dafür hast.
– Ja, das tun wir. Wir würden gerne alles tun, um das Festival für alle einfacher zu machen – und es besser aussehen zu lassen.
– Eure Show sieht fantastisch aus und die Lichter sind reichlich vorhanden. Dennoch hast du gerade den Arbeitstag meiner Beleuchtungscrew verlängert. Wenn ihr wirklich mehr Geld ausgeben wollt, um eure Produktion zu unterstützen, habe ich eine viel bessere Idee.
– Erzähl mal.
– Was wir wirklich brauchen, damit das Set effizient läuft, sind entweder zwei zusätzliche Zimmerleute, die die Öltürme täglich zusammenbauen und auf die Bühne bringen… ODER einen weiteren LKW. Eure Türme sind zweieinhalb Meter breit und 6 Meter hoch. Ich schlage vor, dass wir zusammengebaut lassen und keine zusätzlichen Zimmerleute anheuern. Stattdessen schieben wir zwei von denen auf jeder Seite in einen Sattelschlepper, zusammen mit der ganzen Pyro. In einer perfekten Welt würden wir sie einfach mit einem zusätzlichen Motor aufstellen und dann vor deinem Set in ihre jeweiligen Ecken auf der Bühne rollen…, wir brauchen nur einen weiteren LKW.
– Hmmm. Wie hoch sind die zusätzlichen Kosten?
– Etwa 5.000 pro Woche.
– Deal, machen wir so.

Sparen für den Rock‘n‘Roll

Wir sind in einer Branche tätig, in der Manager bei jeder Gelegenheit, instinktiv Lastwagen, Menschen und Geld einzusparen versuchen. Sie wollen Personal abbauen, um Gehälter, Tagegelder, Mahlzeiten und Hotelzimmer zu sparen. Dieser Manager war vor den anderen Sorte. Er mochte den harten Klang der Band, kam mit auf Tournee und hatte das Beste für seine Band im Sinn.

Während andere Manager über Kleingeld zanken, erkannte er, dass die Anschaffung eines Lastwagens und die Bereitstellung von zusätzlichem Geld für die Beleuchtungscrew seiner Band Geld sparte – und gleichzeitig die Moral stärkte. Die Tour-Crew liebte ihn, weil er ihr eigenes Blut, ihren Schweiß und ihre Tränen sparte und ihnen dafür Biergeld gab.

Die meisten Bandmanager werden von den Tour-Crews ständig beschimpft, weil sie auf ihrem Buckel Geld machen. Der Job des Managers ist es schließlich, sich nur um die Bandmitglieder zu kümmern. Dieser Manager war anders, er war auch für seine Crew da. Ich wünschte, ich könnte mich an seinen Namen erinnern.

(Bei besagtem Manager handelt es sich um Peter Katsis, Anm. d. Red.)

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